Das Naturschutzgebiet „Alpenpark Karwendel“ feierte somit 2008 sein 80jähriges Bestehen und gründete im selben Jahr den dazugehörigen Verein. Das Karwendel an sich blickt jedoch bereits auf eine weitaus längere Geschichte zurück und dessen Grate, Kare, Almen und Flüsse haben viel zu erzählen. Seit der Mensch vor rund 3000 Jahren begann das Gebiet zu erschließen haben sein Interesse und seine Faszination für diese Gebirgsregion ständig zugenommen.
Als in der Au, im oberen Isartal um
Scharnitz, ein Germane Namens Kérwentil (Bedeutung: Speerwender) einen
Hof besaß, verschaffte es dem Gebiet den Namen Kerwéndelau.
Die Verschiebung der Betonung ist erklärt durch das germanische
Dreisilbengesetz. Die vom Hof aus befahrbare Alpe erhielt in Folge den
Namen Karwéndl. Während die fachwissenschaftliche Rechtfertigung
darunter nur das Karwendeltal bei Scharnitz verstand, wurde dieser Name
von der damaligen Bevölkerung auf das gesamte Gebirge zwischen Seefeld
und Achensee angewendet. Schlussendlich verwendeten die Tiroler Bauern
Peter Anchi und Blasius Hueber Karwéndel erstmals als offiziellen
Namen, für die Kartierung dieser Region im Jahre 1774.
Schließt also so mancher Bewohner oder Besucher auf die Herkunft des
Namens auf Grund der unzähligen Kare die dieses Bergmassiv beherbergt,
so ist er ein wenig auf dem Holzweg – ganz ist diese Überlegung jedoch
nicht auszuschließen, denn auch die Änderung von Ker- zu Kar- muss ja
schließlich einen Grund gehabt haben.
Bereits vor mehr als 3000 Jahren siedelten sich die ersten Menschen im Karwendel, genauer im Scharnitzer Gebiet, an. Der erste Weg übers Seefelder Plateau, sowie die Burg „Mansio Scarbia“ wurde von den Römern um Christi Geburt errichtet.
So entwickelte sich schon vor langer Zeit ein starker Einfluss der Bewohner in die Natur des Karwendels. Diese lernten alsbald die Wälder und Bodenschätze, Salzvorkommen, Jagdmöglichkeiten sowie die Weiden für Alm- und Viehwirtschaft zu nutzen.
Erst beträchtliche Zeit später, im 11. Jahrhundert, wagten sich die ersten Menschen vor in die schroffe Welt der Kare dieses Gebiets, welches damals unter „Scharnitzer Wald“ bekannt war. Vom Beginn des Salzabbaus um 1230 in Hall, über die um 1400 entdeckten Erzvorkommen, bis hin zu den darauffolgenden Rodungen, ereigneten sich in verhältnismäßig kurzer Zeit bedeutende Eingriffe in die Natur des Karwendelgebiets. Hinzu kamen zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Trift-Ausübungen an der Isar, etwas später im 30-jährigen Krieg die Nutzung des Rißtals der Viehbauern - welche sich dort vor Plünderungen schützten - sowie das Entstehen des Ahornbodens als Folgeerscheinung. Im 20. Jahrhundert schlussendlich wurde die Trift nach wie vor als beliebtes Transportmittel verwendet und zusätzlich erlebte die Jagd einen wirtschaftlichen Aufschwung. Gleichzeitig ereignete sich ein Paradigmenwechsel, welcher von der starken Nutzung des Gebiets hin zur Unterschutzstellung und Wertschätzung seines Naturpotentials voranschritt.
Schon 1928, ein Besonderheit für diese Zeit, wurde das Karwendel als „Banngebiet“ ausgewiesen und einer recht strengen Verordnung unterstellt. Immer mehr erkannte man die Region als Fundgrube für geschichtlich bedeutende Ereignisse und das Interesse seiner Bewohner, dieses Naturjuwel und seine Geschichte zu erhalten stieg. Dabei denken wir zum Beispiel an den Fund des Elchskeletts durch den bekannten Pleisen-Toni und die Anerkennung des Steinöls als Arzneimittel in den 50ern, oder bereits an die Renaturierungen der Moore im Jahr 2004.
Heute ist das Karwendel besonders durch seine touristisches Angebote an sportlichen Aktivitäten, wie Bergsteigen und Mountainbiken, jedoch vor allem auch durch seine landschaftliche Schönheit und die außergewöhnliche Artenvielfalt dieses Gebiets geprägt. Im Jahr 2008 kam es endlich zur Gründung des Vereins „Alpenpark Karwendel“, welcher seither das Geschehen im Karwendel wieder ins Gespräch gebracht hat. Viel Engagement, sei es im Naturschutz, Tourismus oder in der Umweltbildung, vor allem jedoch die Vereinigung dieser drei Teilgebiete sowie laufende aktive Projekte geben dem Karwendel wieder eine neue Präsenz und Wertschätzung.
Die Holztrift
Das geschichtliche Tiroler Bergwerk
Jagd und Forst
Amtssäge Gleierschtal
Salzberg und Saline im Halltal
Steinöl im Karwendel
Naturschutz im Wandel der Zeit
Entwicklung des Tourismus und Bergsports
Weitere Karwendelgeschichten
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