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Naturkunde> Botanik
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| Frauenschuh |
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Der Frauenschuh (Cypripedium calceolus L.) ist ein Goldener Käfig für Insekten: Der „Frauenschuh“ ist nicht nur die größte heimische Orchidee, sie zählt wohl auch zu einer der gefährlichsten, zumindest, wenn man eine Erdbiene ist.
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Betrug und Täuschung zählen
zum Standardrepertoire dieser außergewöhnlichen Blume. |
Vom „Holzschuh“ zum „Frauenschuh“
Zu den spektakulärsten und seltensten Orchideen des Alpenpark Karwendel zählt der Frauenschuh. Dieser besondere Vertreter heimischer Orchideen hat seinen Namen von der gelben Unterlippe, welche wie ein „Holzschuh“ ausgebildet ist.
Freilich kann nur ein sehr zierlicher Fuß in diesen Zwergschuh schlüpfen. Es ist aber die außergewöhnliche Form der Blüte, gleichsam als „vollendeteste Schöpfung auf Erden“, welche zu Ehren der Gottesmutter Maria als „Calceolus Marianus“ (calceolus = kleiner Schuh) bezeichnet wurde.
Später gab der große Naturwissenschafter und Universalgelehrte Carl von Linné dem Frauenschuh den noch heutigen gültigen wissenschaftlichen Namen: „Cypripedium“. In dieser Wortkreation stecken zwei Wörter: Zum einem „Cyprus“, als östlichste Insel des Mittelmeers und Hauptwohnsitz des Venuskultes und „pedilon“ (= Schuh). C. von Linné ordnete den Frauenschuh somit der „Venus“ (= „Venussocken“) zu.
Von vergebener „Liebesmüh“
Der Frauenschuh besiedelt auf kalkreichem Untergrund lichte Waldregionen. Bei zunehmender Beschattung blüht dieser zunächst nicht mehr, die Pflanzen werden immer kleiner um schließlich ganz zu verschwinden. À propos verschwinden: Die Schönheit dieser Orchidee hat durch rücksichtslose Raritätenjäger in vielen Gebieten zum Erlöschen ganzer Populationen geführt. Meist handelt es sich beim „Übersiedeln“ des ausgegrabenen Rhizoms in den heimische Garten um vergebene „Liebesmüh“, da der Frauenschuh zum Wachsen ganz besondere Wurzelpilze benötigt.
Ebenso können Änderungen in der Bewirtschaftung, wie z.B. die Förderung von Fichten-Monokulturen, zum schleichenden Aussterben dieser seltenen Art führen. |
Neben den Insekten können leider auch viele Menschen dem einzigartigen Frauenschuh mit seiner ausgeprägten „Kesselfallenblume“ kaum widerstehen und übersiedeln Wildpflanzen in ihren Garten, wo dieselben jedoch keine Überlebenschancen haben (Foto: G. Haselwanter).
Die Blütetzeit, in tiefen Mittelgebirgslagen von Anfang bis Mitte Mai, verschiebt sich je nach Höhenlage auf Anfang Juni bzw. kann in noch höheren Alpenregionen erst im Juli erfolgen. |
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| Die bis zu acht cm große Blüte der Frauenschuh zählt zu den größten heimischen Blüten und wird in dieser speziellen Ausprägung als „Kesselfallenblume“ bezeichnet. Insekten, insbesondere (Erd-)Bienen, dringen über die Öffnung des „Schuhs“ (= Blütenlippe) in die Blüte ein. Besser gesagt, fallen in die Blüte hinein. Oder klettern sie freiwillig hinein? |
Bereits Anfang bis Mitte Mai sind die künftigen Blütenknospen knapp vor dem Aufblühen
(Foto: G. Haselwanter). |
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| Von Kessefallenblumen und weiteren Tricks |
Die anfliegenden Tiere setzen sich fast immer an den Rand der Lippe und krabbeln dann umher. Der wunderbare Duft und das spektakuläre äußere gelbe Erscheinungsbild mit den innen rotgepunkteten Blütenblatt scheinen eine anziehende Wirkung auf die Insekten auszuüben. Plötzlich „rutschen“ sie auf den steilen nach innen gerichteten Abschnitt aus und stürzen in den Kessel hinein. Dabei gelingt es nur wenigen Tiere die Flügel zu bewegen und fliegend zu entkommen. Dass die Oberfläche der Lippe sehr glatt ist, kann man leicht an dem Glanz erkennen. Dieser Glanz rührt von einer Ölschicht her, welche an den nach innen geschlagenen Rändern und vor allem an der Innenseite der Lippe vorkommt und den Wänden eine tückische Gleitschicht verleiht. Diese hindert die Tiere am herausklettern und macht ein Verlassen des Kessel über die Einstiegsöffnung praktisch unmöglich.
Der „einzige Weg“ aus der „Blumenfalle“ führt über den Geschlechtsapparat. Die hineingefallene Bienen kann die Falle nur dann verlassen, wenn sie an Staubblatt und Narbe entlang kriecht und auf diese Weise zuerst die Narbe und dann zumindest eine der beiden klebrigen Pollenmassen berührt. Dorthin wird sie von einem lichtdurchlässigen Fenster im „Schuh“ geleitet. |
Im hinteren Bereich der Blüte ist deutlich das „Fenster“ zu erkennen, welches die Insekten zum Ausgang der Blüte leitet (Foto: G. Haselwanter).
Was bringt dann die ganze Aktion für die Bienen? Diese finden im Frauenschuh weder Nektar noch sonst irgendwelche sonstige Nahrung. Es ist somit eigentlich kein Grund bekannt, warum diese Blüten überhaupt besucht werden. |
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Wahrscheinlich werden die Insekten schlichtweg vom „Cypripedium“ hereingelegt, denn freiwillig kommen sie ziemlich sicher nicht in den Blütenkessel.
Das ist aber noch nicht alles. Manchmal lauern Raubspinnen (z.B. Krabbenspinnen) auf oder in den Kesseln und machen diese dann für die Blütenbesucher zur tödlichen Falle.
Durch diesen besonderen Bestäubungsmechanismus, bei dem sich verschiedene Bienen (meist nur einmal) auf die Frauenschuh Blüte „verirren“, ist die Fruchtbarkeit der Blüten dementsprechend gering. Selbst in einem guten Jahr setzen nur etwas ein Viertel bis ein Drittel der Blüten Kapseln und somit Samen an. Der Frauenschuh als ausdauernde Pflanze kann es sich gleichsam leisten, einen geringen Insektenbesuch aufzuweisen. Außerdem ist die Samenzahl pro Kapsel entsprechend groß. Die Sinkgeschwindigkeit dieser winzigen Samen, die als „Ballonflieger“ bezeichnet werden, beträgt nur 25 cm pro Sekunde, womit Flugweiten von ca. 10 km möglich sind. |
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