Unsere Naturschutzprojekte

Naturschutz besteht nicht nur aus den rechtlichen Rahmenbedingungen mit Gesetzen und Verordnungen. Es geht genauso um Wiederherstellung eines naturnahen Zustands wie bei unseren Moorrenaturierungen, um konkrete Pflege beim Erhalt von Kulturlandschaften wie dem Großen und Kleinen Ahornboden oder schlichtweg um Verständnis der Besucher und Naturnutzer für die Bedürfnisse von Flußuferläufer und Co. Hier findet sich ein Überblick zu unseren aktuellen Naturschutzprojekten und -vorhaben.

Vogelschutzgebiete

Auch wenn man beim Karwendel vielleicht zuerst an hoch aufragende Felswände und undurchdringliche Latschendickichte denken mag – der Naturpark ist äußerst reich an unterschiedlichen Lebensräumen!

Angefangen von naturbelassenen Wildflüssen mit dynamisch sich verändernden Schotterbänken, eine Rarität in Mitteleuropa. Hier brütet beispielsweise der sehr seltene Flussuferläufer. Enge Schluchten locken wieder andere Vögel an, ebenso wie offene Felswände, auf denen z.B. der Mauerläufer nach Nahrung sucht. Auch die weiten Wälder des Karwendels sind überaus vielfältig: ca. 550ha machen an verschiedenen Standorten Naturwaldreservate aus, d.h. Flächen, die der Waldeigentümer gegen eine Entschädigung ganz der natürlichen Dynamik überlässt. Hier findet sich oft viel Totholz – ein irreführender Name, denn die abgestorbenen Bäume sind wahre Lebensoasen. Seltene Spezialisten wie der Weißrückenspecht finden hier ebenso seltene Käfer. In extensiv als Waldweide bewirtschafteten Bergwäldern mit vielen Ameisenhäufen fühlt sich der Auerhahn wohl. In Dickichten mit jungem Wald lebt dafür z.B. das Haselhuhn. Aber auch die Almflächen locken zahlreiche Vögel des Waldrandes an! Weiter oben ist die Waldgrenze nochmal ein ganz spezieller Lebensraum. Hier balzen im Spätfrühling die Birkhähne auf den verbleibenden Schneefeldern. Noch höher oben, wo kaum mehr etwas Schutz vor dem harten alpinen Klima bietet, sind es nur noch wenige Spezialisten, wie Schneehühner, Alpenbraunellen oder das extrem seltene Steinhuhn, die sich an diesen Lebensraum angepasst haben. Hoch oben in den Lüften zieht der Steinadler seine Kreise, der im Karwendel den optimalen Lebensraum und die größte Revierdichte der ganzen Alpen hat.

Die ornithologische Kartierung hat nun sehr gute Einblicke in die Vorkommen der Vögel ermöglicht. Nachfolgend gibt es diese wissenschaftlichen Informationen detailliert aufbereitet nachzulesen. Einen Überblick über die Zielarten, denen wir zukünftig in Zusammenarbeit mit den Förstern und Jägern mehr Aufmerksamkeit schenken wollen, gibt es hier.

Zielsetzung des Projekts

Ziel des Projektes war die Bereitstellung der ornithologischen Grundlagen für Erhaltungsziele und Managementpläne im Natura 2000-Gebiet Karwendel. Dazu wurden einerseits die Vorkommen aller Vogelarten erhoben, andererseits galt den folgenden Arten des Anhangs I der EU-Vogelschutzrichtlinie besonderes Augenmerk:

  • Hasel-, Schnee-, Birk-, Auer- und Steinhuhn
  • Sperlings- und Raufußkauz
  • Grau-, Schwarz-, Weißrücken- und Dreizehenspecht
  • Zwergschnäpper

» Informationen zum Förderprogramm des Landes

Untersuchungsmethoden

Das Untersuchungsgebiet umfasste eine Fläche von über 700 km². Die beteiligten Wissenschaftler konnten daher nur ausgewählte Teilgebiete (Referenzflächen, Raster) genauer untersuchen, die Ergebnisse rechneten sie auf das Gesamtgebiet hoch. Dabei kamen auch Computermodelle zum Einsatz.

Bei der Auswahl der Untersuchungsgebiete gab es eine intensive Abstimmung mit den Experten des Landes Tirol und der Jägerschaft, die ihre Fach- und Ortskenntnisse einbrachten. Rund 30 VogelkundlerInnen arbeiteten drei Jahre am Projekt. Fast 2500 Stunden verbrachten sie im Gelände.

Folgende Erhebungsmethoden kamen bei der Untersuchung zum Einsatz:

  • Referenzflächenkartierung
  • Rasterkartierung
  • Atlaskartierung und gesonderte Nachsuche

Genaue Angaben zur Erhebungsmethodik finden Sie hier.

Allgemeine Ergebnisse

Im Rahmen der vogelkundlichen Erhebungen wurden 24.589 Beobachtungsdaten gesammelt und 27.859 Individuen protokolliert, wobei auch viele Individuen mehr als einmal registriert wurden. Auf dieser Basis wurden etwa 15.000 bis 16.500 Brutreviere abgegrenzt. Von den 114 registrierten Vogelarten können

  • 12 Arten als mögliche Brutvögel,
  • 25 Arten als wahrscheinliche Brutvögel und
  • 59 Arten als nachgewiesene Brutvögel eingestuft werden.

Bei 12 Vogelarten handelt es sich um Durchzügler bzw. Gäste, bei 6 Arten um unsichere bzw. randliche Brutvogelarten, die im Vogelschutzgebiet Karwendel keine oder nur unbedeutende Habitate besitzen.

Circa 2/3 aller Tiroler Brutvögel brüten im Karwendel.

Übersichtstabelle zu Status, Bestand und Bedeutung der im Karwendel vorkommenden Vogelarten finden SIe hier.

Ergebnisse ausgewählter Vogelarten im Detail

Im Folgenden werden die Ergebnisse der ornithologischen Grundlagenerhebung für jene Vogelarten steckbriefartig zusammengefasst, die als Brutvögel des Karwendels im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie der EU genannt werden oder aufgrund ihrer regionalen, nationalen oder internationalen Bedeutung besonders hervorzuheben sind.

Ausgewählte Zielarten im Vogelschutzgebiet Karwendel:

Sonstige national oder international bedeutende Arten im Vogelschutzgebiet Karwendel

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Waldschnepfe Scolopax rusticola
Alpenbraunelle Prunella collaris
Ringdrossel Turdus torquatus
Berglaubsaenger Phylloscopus bonelli
Trauerschnaepper Ficedula hypoleuca
Alpendohle Pyrrhocorax graculus
Mauerläufer Tichodroma muraria
Zitronengirlitz Carduelis citrinella

 

Ausblick

Durch die Studie wurden wesentliche ornithologischen Grundlagen geschaffen, die nun im Sinne eines integrierten Naturschutzes eingesetzt werden. Da ein Großteil der Zielarten an Wald-Lebensräume gebunden ist, gilt es als erster Schritt, die Ergebnisse in die forstliche Nutzung zu integrieren. Der Naturpark Karwendel ist dabei, die Daten so aufzubereiten, dass diese sowohl

  • in der forstlichen Planung (Stichwort Operate)
  • als auch in der praktischen Arbeit eingesetzt werden können.

Dafür wurde ein sog. Praxishandbuch zu Schutz, Erhalt und Verbesserung der Vogellebensräume im Karwendel erstellt, welches auf die jeweiligen Forstreviere abgestimmt ist. Es beinhaltet für 12 besonders schützenswerte Vogelarten die jeweiligen Lebensraumansprüche und die daraus resultierenden waldbaulichen Empfehlungen.

Weitere Informationen

Kurzfassung Ornithologische Grundlagenerhebung im Natura 2000- und Vogelschutzgebiet Karwendel (54seitig, 5,8 MB)
Praxishandbuch  Schutz, Erhalt und Verbesserung der Vogellebensräume im Karwendel – Forstrevier Inntal (80seitig, 13,6 MB)

Die Vogelkartierung wurde aus Mitteln des Programms für die Entwicklung des Ländlichen Raums 2007-2013 und dem Tiroler Naturschutzfonds finanziert.

Naturwaldreservate

Urwälder im Kleinen!

Im Naturpark Karwendel gibt es nicht nur eine Fülle von verschiedenen Waldtypen, sondern teilweise auch sehr alte Waldbestände, die naturschutzfachlich einen ausgesprochen hohen Wert besitzen.

In den Höhlen der alten Bäume finden nicht nur zahlreiche Spechtarten wie der Weißrückenspecht ideale Lebensräume, sondern eine gesamte Lebensgemeinschaft mit unzähligen Käferarten etc. sind an alte Wälder gebunden. Es ist erklärtes Ziel des Alpenparks diese alten Waldbestände zu erhalten. Dafür werden gemeinsam mit Grundbesitzern sog. Naturwaldzellen eingerichtet.
Naturwaldreservate sind urwaldartige Waldteile, die für die natürliche Entwicklung des Ökosystems Wald bestimmt sind und in denen jede unmittelbare Beeinflussung unterbleibt. Sie sind ein Beitrag zur Erhaltung und natürlichen Entwicklung der biologischen Vielfalt und dienen der Forschung, der Lehre und der Bildung. Bisher gibt es 512 ha [Stand: November 2015] – es sollen weitere folgen!

Entschädigung

Der Waldeigentümer verpflichtet sich alle eigenen Nutzungen (mit Ausnahme der Bejagung) zu unterlassen und wird für den wirtschaftlichen Entgang und den Betreuungsaufwand gerecht entschädigt. Es wird ein zivilrechtlicher Vertrag abgeschlossen, der die Eigentumsverhältnisse nicht berührt.

» Informationen zum Förderprogramm des Landes

Bisherige Naturwaldreservate im Naturpark Karwendel

Rückfragen bitte direkt beim Naturpark Karwendel oder bei:

DI Dr. Michael Haupolter
Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. Umweltschutz
Tel.: + 43 (0) 512 508-3466
michael.haupolter@tirol.gv.at

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Karte der Naturwaldreservate im Alpenpark Karwendel

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Der Ahornboden

Famose Kulturlandschaft

Beliebtes Photomotiv und Ausflugsziel, wichtiger Lebensraum für Höhlenbrüter wie Spechte und Fledermäuse – der Ahornboden im hinteren Rißtal gehört in vielerlei Hinsicht zu den Superlativen im Karwendel. Gemeinsam mit dem Landesforstdienst, den Österreichischen Bundesforsten und den Engbauern setzt der Naturpark Karwendel aktive Maßnahmen zum Erhalt dieser Kulturlandschaft. Neben den Nachpflanzungen werden die Zäune der jungen Bergahorne jährlich repariert.

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Managementplan Großer Ahornboden

Vor inzwischen mehr als 10 Jahren wurden die ersten Berg-Ahorn Keimlinge vom Großen Ahornboden in Zusammenarbeit mit den Forstgarten Häring und der Geschäftsstelle Alpenpark Karwendel zur Aufzucht gewonnen. Dieser Schritt wurde notwendig, da verschiedene Pflanzversuche mit nicht autochthonem  (= vor Ort gewachsen) Pflanzenmaterial in vergangener Zeit wenig Erfolg zeigten. Seit 2004 werden aktive Maßnahmen (Nachpflanzungen) auf Basis eines sog. „Managementplans“ umgesetzt. Jedes Jahr werden im Herbst 14 Ahornbäume gepflanzt. Ob die Nachpflanzungen erfolgreich sein werden, kann erst in vielen Jahren seriös beantwortet werden, denn es ist ein langer Weg vom Ahornsamen bis zum imposanten Ahornbaum.Die bisherigen Jungpflanzen sind aber gut angewachsen.

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Nachpflanzaktion zum 80. Geburtstag des Alpenparks

Zum 80. Geburtstag des Alpenparks im Jahr 2008 haben die Österreichischen Bundesforste ein besonderes Geschenk mitgebracht – die Nachpflanzung am Ahornboden. Nachdem 2004 und 2005 die Nachpflanzungen durchgeführt wurden, ist das Projekt in den Jahren 2006 und 2007 wieder eingeschlafen. Die Bundesforste haben alle Ahornbäume der letzten Jahre kontrolliert, wo nötig ausgetauscht und neu eingezäunt. Diese Initiative gab dem Projekt wieder einen neuen Impuls.

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Bergahorn Patenschaft

Seit Herbst 2010 gibt es die Möglichkeit eine exklusive Patenschaft für einen Bergahorn zu übernehmen. Details dazu sowie aktuelle Antragsformulare finden Sie hier.

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Naturexkursion

Sie haben Interesse an einer Exkursion zum Ahornboden? Hier finden sie weitere Informationen dazu. Wir empfehlen ihnen auch den Besuch des Naturparkhauses in Hinterriß und des Themenwegs zwischen Alpengasthof Eng und den Engalmen.

Mehr Informationen zum Großen Ahornboden generell gibts hier.
Speziell zum Charakterbaum, dem Bergahorn, finden Sie hier weitere Details!

Die spannende Geschichte auch des Naturschutzes erzählt neben anderen Aspekten der Landschaftsgeschichte seit Neuestem ein Buch: „Großer Ahornboden. Eine Landschaft erzählt Ihre Geschichte“ von unseren Autoren Hermann Sonntag und Franz Straubinger, erschienen 2014 im Berenkamp Verlag. Neben teils bisher unveröffentlichtem Bildmaterial gibt es hier auch Einblicke in die Geologie, Botanik und die frühen Anfänge von Almwirtschaft und Alpintourismus. Mehr zum Buch gibt es hier.

Moore

Spezialisierte Lebensräume im Nordosten des Karwendels

Im Alpenpark Karwendel gibt es zahlreiche Moore. Viele davon wurden in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entwässert, um die Flächen landwirtschaftlich (v.a. für Beweidung) zu nutzen. Seit 2004 gibt es ein umfassendes Renaturierungsprogramm zur Wiederherstellung dieser wertvollen Lebensräume.

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Moore sind wichtige Lebensräume für Sonnentau & Co!

Die sogenannten „Methusaleme“ unter den Biotopen im Karwendel befinden sich hauptsächlich im Achenwald-Bächental. Hier konnten sie durch eine Kombination aus genügend Niederschlagsüberschuss und dem entsprechenden Bodenuntergrund nach der letzten Eiszeit vor ca. 15.000 Jahren insgesamt 14 Nieder- und Hochmoore bilden. Mit ihrer Größe von 1,2 km² sind sie nicht mit den großen Moorlandschaften im bayerischen Voralpenland, wie dem Murnauer Moos bei Garmisch (32km²) oder der Kendlmühlfilze im Landkreis Traunstein zu vergleichen. Ungeachtet dessen bieten die Karwendelmoore „kleine aber feine“ Lebensräume, die seltenen Pflanzen wie dem fleischfressenden Sonnentau Heimat bieten.

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Moorrenaturierungen

Gemeinsam mit den österreichischen Bundesforsten, der Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol und der Universität Wien ist es gelungen, seit 2004 zahlreiche Moore zu renaturieren. Das bedeutet, dass Wasserstände erhöht, Verhandlungen mit Grundbesitzern bezüglich Weidefreistellung geführt und Langzeit-Beobachtungen etabliert wurden. Die bereits durchgeführten Maßnahmen zeigen inzwischen Wirkung, denn das Leben in den Mooren kehrt zurück. Somit kann ein kleiner aber wichtiger Puzzlestein im Karwendel wieder seine  Funktion erfüllen.

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Moorforschung und Monitoring

Begleitende Naturschutzforschung ist ein zentrales Standbein des Projekts. Nur so ist es möglich, seriöse Aussagen über die mittelfristige Entwicklung der Moore zu treffen und damit auch die richtigen Managementmaßnahmen zu setzen. Unterschiedlichste Methoden werden bei den Forschungen angewandt: Vom Bodenradar über Divermessungen, Vegetationsaufnahmen etc. reicht die Palette.

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Aktueller Stand: Begleitende Naturschutzforschung

2014 konnte durch die Finanzierung aus dem Tiroler Naturschutzfonds die begleitende Moorforschung um weitere fünf Jahre verlängert werden. Mit der Länge der Meßreihe steigt auch der Wert der Daten. Es gibt nur wenige Region im gesamten Alpenraum, die sich über einen so langen Zeitraum mit Moorrenaturierung beschäftigen.

Downloads

Im Zuge des Moorprogramms entstanden zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten. Diese sind auf unserer neuen Wissensdatenbank abrufbar. Eine kurze Zusammenfassung mit den wichtigsten Fakten findet sich hier:

Fakten – Moorrenaturierungen

Pressemitteilung

Quellen und Moore im Naturpark Karwendel

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Moore: rot | Quellen: blau

Datengrundlage: Amt der Tiroler Landesregierung, TIRIS

Renaturierung Walderalmteiche

Natur pflegen, Lebensräume verbessern, Erholungsräume verschönern

Die Teiche an der Walderalm waren einst ein begehrtes Fotomotiv, jedoch gehörte dies für lange Zeit der Vergangenheit an. Wir geben der Walderalm ihre See(le)n zurück!

In den letzten Jahren kam es aufgrund mehrerer Ursachen zu einem verstärkten Nährstoffeintrag in und um die Teiche der Walderalm. Dadurch wucherten die einstigen Juwelen völlig zu, was sie nicht nur in unseren Augen wenig anziehend machte: Als Lebensraum für Tiere und Pflanzen waren sie so fast verloren. Durch die Initiative des Vereins „Wax und Wiach“ in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Karwendel konnte ein Renaturierungsprojekt gestartet werden.

Nach der naturschutzrechtlichen Genehmigung folgte im Oktober 2011 die Sanierung des ersten Teiches, ein Jahr versetzt wurde im Oktober 2012 der zweite Teich renaturiert. Der Abschluss des Projektes soll im Frühjahr 2016 erfolgen. Hier finden Sie einen Rückblick zu den bisher getätigten Maßnahmen.

Einst so idyllisch …die Walderalm vor vielen Jahren

Walderalm_nostalgisch
Phase1_Walderalm

In den letzten Jahren:

Kein schöner Anblick:
Durch den nahtlosen Übergang von Weide und Teich wurden die Gewässer stark überdüngt.

Wenn es viele Nährstoffe gibt, dann wuchern meistens einige wenige wachstumsstarke Pflanzenarten den ganzen Standort zu, sodass andere Pflanzen (und Tiere) kaum mehr eine Chance zum Leben finden. Die Teiche der Walderalm sind so unter einem Teppich aus Algen und Wasserlinsen erstickt.

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Hier spiegelt sich nichts mehr:
Die beiden einst glasklar blauen Teiche haben sich in eine grüne „Suppe“ verwandelt.

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Ein schweres Leben für den Bergmolch:
Im Zuge der „Eutrophierung“, also der Überdüngung, sind auch viele Tier- und Pflanzenarten verschwunden, die Feuchtlebensräume eigentlich lieben, wie beispielsweise Amphibien und Libellen.

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Herbst 2011: Der Walderalm ihre See(le)n zurückgeben

Gemeinsam mit dem Verein „Wax und Wiach“ hat der Naturpark Karwendel die Ausbaggerung des ersten Teiches übernommen.

Am letzten Oktoberwochenende 2011, nachdem die naturschutzrechtliche Genehmigung erteilt wurde, wurden die Arbeiten von den Grundbesitzern, den Mitgliedern des Vereins „Wax und Wiach“ und einem exzellenten Baggerfahrer, in Angriff genommen. Schon wenige Tage später lässt sich der Erfolg dieser Aktion erahnen.

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Voll im Einsatz:
Die ausgebaggerten Erdhaufen wurden oberhalb an der Wiese angesetzt, wo sie inzwischen wieder vollständig mit Gras überwachsen sind. Der zweite Teich folgt ein Jahr versetzt, damit die überlebenden Tiere und Pflanzen den neuen ersten Teich in Ruhe annehmen können. So können sie dann ab Herbst 2012 in den zweiten Teich übersiedeln.

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Was nach einer rigorosen Baugrube aussehen mag wird bald der neue Teich sein.

Nicht umsonst geschahen die Bauarbeiten im Herbst – so kann sich die ausgehobene Grube im Laufe des Winters wieder mit Wasser füllen und gleich im Frühling von Pflanzen und Tieren besiedelt werden.

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Frühling 2012: Weidefreistellung mit traditionellem Holzzaun

Im Frühling 2012 macht der Teich schon einen ganz anderen Eindruck und begeistert wieder die zahlreichen Besucher.

Jetzt bleibt abzuwarten, ob sich die Algen und Wasserlinsen durch die regelmäßigen Pflegemaßnahmen in den kommenden Jahren dauerhaft bändigen lassen und wieder ein attraktiver Lebensraum entstehen kann. Die Almbauern befreien den Teich nun regelmäßig mit Keschern von Algen und Wasserlinsen, ausserdem soll die Weidefreistellung weiteren Nährstoffeintrag verhindern.

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Der Bergmolch kehrt zurück!
Im endlich wieder klaren Wasser tummelten sich zur Paarungszeit schon über 250 Bergmolche! Aber auch Wasserinsekten und einige seltene Klein- und Großlibellen wie der Plattbauch kehrten über den Sommer zurück. Der Teich befindet sich auf dem besten Weg, wieder zu einem landschaftlichen und biologischen Kleinod zu werden!

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Die Weidefreistellung wurde durch einen traditionellen Weidezaun aus Lärchenholz umgesetzt.

Der Zaun wurde aus Lärchen- und Fichtenholz in traditioneller Weise errichtet. Die Bohlen sind nicht fest mit den Pfählen verbunden und können im Winter leicht abgebaut werden, um keinen Schaden durch den hohen Schneedruck zu riskieren. Mit der Zeit wird sich das Holz dunkel färben und mehr mit der Landschaft verschwimmen.So passt sich auch der Zaun in die Landschaft ein, ebenso wie der kleine Steg, den wir gebaut haben, damit die Besucher der Walderalm gefahrlos in den Teich blicken können – vielleicht entdecken sie ja einen Bergmolch?

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Herbst 2012: Der zweite Teich wird ausgebaggert

Wie im Jahr zuvor haben die Grundbesitzer, der Verein „Wax und Wiach“ und der Naturpark Karwendel in einem landschaftsgestaltenden Kraftakt den Teich ausgehoben.

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Unzählige Male fuhr der Traktor den Schlamm weg:
Die überdüngte Masse wurde an bestimmten naturschutzrechtlich genehmigten Flächen abgeladen, wo sie schon bald wieder zu normaler Erde werden sollen.

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Geschafft!

Nun muss nur noch das Wasser einlaufen, damit ein neuer Lebensraum entstehen kann. Bei der Aushebung haben wir auch speziell darauf geachtet, eine abwechslungsreiche Grundform zu schaffen: So bietet der neue Teich beispielsweise ein flaches und ein steiles Ufer, um ein möglichst breites Spektrum an Wasserbewohnern beheimaten zu können. Ein interessanter, vielfältiger Lebensraum und ein landschaftliches Kleinod – so wollen wir die Walderalmteiche für die Zukunft bewahren.

Auch wenn erst im Juni 2013 mit der Weidefreistellung des zweiten Teiches dieses Projekt vollständig abgeschlossen wird, können wir bereits heute feststellen:

Durch die Renaturierung hat die Walderalm noch mehr an Attraktivität gewonnen und ist mehr denn je einen Besuch wert!

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Downloads

Flyer

Das Flussuferläuferprojekt

Der zierliche Schotterkönig braucht nicht nur alpine Wildflüsse wie den Rißbach oder die Isar, sondern v.a. auch Ruhe während seiner Brutzeit von Mai bis Juli – diese Ruhe wollen wir ihm im Naturpark Karwendel gewähren und deshalb werden die Brutgebiete am Rißbach abgezäunt um Störungen durch (Nutz-)tier und Mensch zu minimieren. So sichern wir gemeinsam das Überleben dieser faszinierenden Art!

1995 wurde die erste systematische Erhebung der Flussuferläufervorkommen am Rißbach durchgeführt. Darauf aufbauend fand 1996 ein umfassendes Monitoring mit Unterstützung zahlreicher Studenten der Universität Innsbruck statt. Begleitend dazu wurden die Gäste und Einheimischen über die Lebensweise und Schutzwürdigkeit des Flussuferläufers informiert. Die Abzäunung der Brutreviere erfolgte seit vielen Jahren durch Helmuth Berchtold, der sich liebevoll um „seine Vögel“ kümmert.

Die Rote Liste Österreich stuft den Flussuferläufer als „stark gefährdet“ ein, in der Begründung heißt es:
„Der dramatische Lebensraumverlust durch Flussregulierungen scheint weitgehend gestoppt, punktuell werden durch Renaturierung auch neue Brutplätze geschaffen. Derzeit besteht jedoch ein stark zunehmender negativer Einfluss im Gefolge der Inanspruchnahme naturnaher Fließstrecken durch verschiedene Formen der Freizeitnutzung, vor allem die starke Zunahme der Angelfischerei und weiters des Boots- und Badebetriebs; durch diese Störungsquellen wird vor allem der Fortpflanzungserfolg beeinträchtigt […]. Handlungsbedarf (!): Einführung zeitlich-räumlicher Nutzungsbeschränkungen für Angelfischerei und andere Freizeitnutzungen. Erhaltung naturnaher Fließstrecken. Flussrenaturierung. Monitoring.“ (2005, S.99)

In den Jahren 2009 und 2010 fand im Zusammenarbeit mit Birdlife und dem Landesbund für Vogelschutz eine Kartierung am Rißbach statt und die Maßnahmen zur Bewusstseinbildung wurden weiter umgesetzt. Im Sommer 2011 gelang unseren Rangern ein sensationeller Fund im Hinterautal. Erstmals wurde dort ein Brutvorkommen festgestellt.

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Flussuferlaeufer-Juvenil
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Aktueller Projektstand

In den Jahren 2013-2015 wurde ein vom Tiroler Naturschutzfond unterstütztes und vom Naturpark Karwendel umgesetztes Artenschutzprojekt für den Flussuferläufer durchgeführt. Dabei wurde ein umfassendes Schutzprogramm erarbeitet, das systematisch und ganzheitlich den Schutz dieser sensiblen Art gewährleistet. Die Brutgebiete Obere Isar und Rissbach sollen umfassend in allen möglichen Revieren erhalten werden. Der Flussuferläufer ist zwar die Hauptsache, aber auch die Bewusstseinsbildung der BesucherInnen ist ein wichtiger Punkt. Seit 2016 gibt es ein Folgeprojekt, das durch den Tiroler Naturschutzfond und die Wegegemeinschaft Hinterriss unterstützt wird.

Um die Wahrscheinlichkeit sowohl der Revierbesetzung als auch des Bruterfolgs zu erhöhen, werden jährlich folgende Maßnahmen umgesetzt:

– Langfristige und regelmäßige Kontrollen des Brutvorkommens durch Naturpark-Ranger und Freiwillige des Team Karwendel.

– Zum Schutz vor Betretung durch Weidevieh und Menschen: Einzäunung der besonders sensiblen Gebiete während der Brutzeit vom 15. April bis 15. August.

– Besucherlenkung und Bewusstseinsbildung durch Informationstafeln an den Zäunen, im Naturparkhaus und an den Zugängen zu den Karwendeltälern.

 

Aktueller Stand 2016

2016 waren im Risstal acht Reviere besetzt, fünf davon wiesen einen guten Bruterfolg auf. Wir freuen uns sehr, dass sich der Einsatz unserer Naturpark-Ranger lohnt.

Hier finden sie eine Pressemitteilung über den Sommer 2015 (Stand: Herbst 2015)

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Das Flussuferläufer-Projekt wird gefördert vom Naturschutzfonds des Land Tirol.

Aktuelle Beobachtungen und weitere Informationen zum Flussuferläufer finden sie auf der Beobachtungsplattform naturgucker.de

Flussuferläufer

Region Hall-Wattens
Innsbruck
Achensee
Silberregion Karwendel
Seefeld
Naturjuwele