Naturwaldreservat Tortalalm

Wertvoller Wald unter mächtigen Wänden

Steckbrief

Gemeinde: Vomp
Gesamtfläche [ha]: 21,2
Waldfläche [ha]: 14,1
Waldhauptgruppe: Hochmontaner-Bergahorn-Buchen-Wald
Waldgesellschaft: Hirschzungen-Bergahorn-Schluchtwald
Scolopendrio-Fraxinetum

Kurzbeschreibung: Es handelt sich um einen Ulmen-Ahorn Schluchtwald und um einen Bergahorn-Buchenwald. Das Reservat zeichnet sich durch sehr hohe Naturnähe und durch große Seltenheit der Waldgesellschaften aus. Bemerkenswert ist das Vorkommen der Mondviole (Lunaria rediviva) und der Hirschzunge (Phyllitis scolopendrium).


Beschreibung:
Bei der Biotopfläche handelt es sich um einen ca. 5 ha großen, noch gut bestockten Bergahorn-Buchenbestand auf der Sonnseite des Tortalschlusses in ziemlich steiler Lage auf einem Feinerde ärmeren jedoch humusreicheren Rendsinastandort. Die durchschnittliche Höhenlage des süd-ost-exponierten Bestandes beträgt ca. 1430 m NN. Teilweise steht plattiger Fels an.

Bedeutung und Beurteilung:
Es handelt sich um einen offensichtlich stark vom Schnee geprägten Standort an einem leeseitig gelegenen Hang mit Schneeakkumulation, was zu einem fast gänzlichen Ausfall der Nadelhölzer geführt hat. Wo diese noch stehen geblieben sind, befinden sie sich zumeist in geschützter Lage unterhalb von Felsblöcken, dort wo die Schneedruck- und Schneeschubverhältnisse nicht so extrem sind wie in übrigen Bestandesteilen. Dann erreichen diese allerdings Durchmesser von bis zu einem Meter bei auffälliger Grobastigkeit. Überdies läßt die Nähe zu den Torbach-Quellbächen und die Kessellage des Talschlusses eine höhere Luftfeuchtigkeit erwarten, was durch zahlreicheres Vorkommen von Mondviole (Lunaria rediviva) am Hangfuß belegt wird. Daß Schnee tatsächlich der prägende Faktor am Standort ist, wird überdies durch die Nähe zu Legbuchenbeständen belegt, die sich östlich und südlich in Lawinengassen und -bahnen befinden. Der Bestand wird nördlich und nordöstlich durch eine auffällige, aber nicht allzuhohe, Felskante begrenzt.

Trotz eines geschätzten Durchschnittsalters des Bestandes, in dem die Buche dominiert, von 180 Jahren hat er erst eine Masse von ca. 200 Vfm erreicht und ist damit als sehr geringwüchsig einzustufen. Gegen den Hangfuß zu, kann eine relative Zunahme des Ahornanteiles beobachtet werden, wie außerdem in diesem Bereich ein etwas schluchtwaldartiger Eindruck herrscht (Mondviole). Die Ausformung der Stämme ist bei allen Laubbaumarten als mittel bis schlecht zu beurteilen. Es herrschen gedrungene Schaftformen vor. Der Bestand weist weiters bei Tendenz zum Zusammenwachsen keine ausgeprägte Struktur auf und ist als einschichtig (hallenartig) anzusprechen. Totholz fehlt im Großen und Ganzen.

Bei weitgehendem Fehlen von typischen Hochstaudenelementen trotz einer insgesamt sehr artenreichen Bodenvegetation dürfte die Gesellschaft eher randlich innerhalb des Aceri-Fagetums anzusiedeln sein. Auch der in der zentralen Gesellschaft typische Moos- und Flechtenbehang an den Ästen fehlt weitgehend, sodaß der Schluß naheliegt, es handelt sich um eine relativ trockene Ausprägung des Aceri-Fagetums. Unterstützt wird diese Ansicht noch durch das Auftreten von Gemeinem Dost (Origanum vulgare) und Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria), die zu den Trockenheitszeigern zählen.

Von den typischen Hochstaudenvertretern finden sich nur Villars-Kälberkropf (Chaerophyllum villarsii), Sumpf-Pippau (Crepis paludosa), Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondyleum), Akeleiblättrige Wiesenraute (Thalictrum aquilegiifolium) und der Hasenlattich (Prenanthes purpurea). Ferner ist die Bodenvegetation noch geprägt durch das Auftreten von Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis), Berg-Reitgras (Calamagrostis varia), Nickendem Perlgras (Melica nutans) und Hainsalat (Aposeris foetida). Die Strauchschicht fehlt fast zur Gänze. Der Gesamteindruck der Bodenvegetation spiegelt nicht die üppig wuchernden Verhältnisse von als typisch beschriebenen Bergahorn-Buchenwäldern wieder, sondern eher die von durchschnittlichen Fichten- Tannen-Buchenwaldverhältnissen, weshalb man die Gesellschaft auch zu dem Adenostylo glabrae Abieti-Fagetum zählen könnte.

Biotopwert:
Die hohe Bewertung des Waldbiotopes ergibt sich aus dessen großer Naturnähe, die nur durch die geringe Massenanreicherung beeinträchtigt wird. Der hallenartige Bestandescharakter und das Fehlen der Strauchschicht, bewirkt eine vergleichsweise niedrige Bewertung der Strukturvielfalt.

Weitere Biotopflächen innerhalb des Reservats

Hochstauden-Schluchtwald „Tortalalm“
Buchenbestand westliche „Tortalalm“
Hirschzungen-Schluchtwald westlich „Tortalalm“

Rückfragen bitte direkt beim Alpenpark Karwendel oder bei:

DI Dr. Michael Haupolter
Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. Umweltschutz
Tel.: + 43 (0) 512 508-3466
michael.haupolter@tirol.gv.at


Bisherige Naturwaldreservate im Naturpark Karwendel

Region Hall-Wattens
Innsbruck
Achensee
Silberregion Karwendel
Seefeld
Naturjuwele