Naturwaldreservat Vomper Loch

Unberührtheit im „Grand Canyon“ des Karwendels

Steckbrief

Gemeinden: Absam, Terfens, Vomp
Gesamtfläche: 21,64 ha
Waldfläche: 20,65 ha
Waldgruppe: Nadelwald-Gesellschaften
Waldgesellschaften: Subalpiner Karbonat Alpendost Fichtenwald
mit Waldhainsimse, Karbonat Lärchen-Zirbenwald,
Karbonat-Alpendost-Fichten-Tannen-Buchenwald mit Weißsegge

Kurzbeschreibung
Das Naturwaldreservat erstreckt sich auf einer Höhe zwischen 870 und 1780 m, es besteht aus 3 räumlich getrennten Beständen. Die Fläche „Fichtenbestand unter Knappenhüttl“ befindet sich im hintersten Vompertal unterhalb des Knappenhüttls auf der orographisch linken Talseite. Die Fläche „Lärchen Zirbenbestand unter Bettelwurf“ liegt etwas darunter an der rechten Talseite am Fuße der Wände des Großen Bettelwurfs. Die Fläche „Eibenreicher Bergmischwald Vomperloch“ liegt im vorderen Vompertal östlich der Ganalm. Die Grenze des Naturwaldreservates ist den beiliegenden Karten entnehmen.

Grund für die Ausscheidung des gesamten Südhanges und der inneren Teile des Vomperloches ist nicht so sehr die besondere Seltenheit oder Naturnähe der auftretenden Pflanzengesellschaften, sondern vielmehr die Tatsache, dass seit einigen Jahrzehnten keine wesentlichen Nutzungen (forstlich/almwirtschaftlich) in diesem Raum mehr durchgeführt werden. Während eine wirtschaftliche Nutzung durch Wegerschließungen am Südhang zwischen dem Stubbach und dem Eingang des Zwerchloches zumindest theoretisch noch vorstellbar wäre, ist eine forstliche Nutzung der inneren Teile auch aus rein wirtschaftlichen Motiven von vornherein sinnlos. Auf Grund der schlechten Infrastruktur (keine Schutzhütten, lange Wegdistanzen, schwierige Steige) hält sich auch die Intensität und Dauer (Mai/Juni-Oktober/November) der touristischen Nutzungen sehr in Grenzen. Das bedeutet, daß das Großraumbiotop „Inneres Vomperloch“ sehr gute Voraussetzungen für eine vom Menschen weitgehend ungestörte Entwicklung in der Zukunft aufweist.


Biotopfläche:
„Fichtenbestand unter Knappenhüttl“
Leitbiotoptyp:
Naturnahe Waldgesellschaft
Standortstyp:
Subalpiner Karbonat Alpendost Fichtenwald mit Waldhainsimse

Beschreibung:
Der urwaldartige, zum Teil äußerst alte Bestand ist durch seine Altersstruktur und durch die plenterartige Struktur ausgezeichnet. Das Durchschnittsalter der Baumschicht beträgt ca. 260 Jahre, einzelne Bäume werden bis zu 440 Jahre alt. Vor allem im oberen Teil bestehen Übergänge zu subalpinen Lärchen-Zirbenwäldern. Dort, wo besonders mächtige Auflagehumusdecken auftreten und genügend Seitenlicht vorhanden ist (auf Felsköpfen), reichen auch einige Zirben und Lärchen in den fichtendominierten Bestand herein. Aus standörtlicher Sicht ist der Bestand kleinflächig recht heterogen. In Mulden kommen Braunlehmreste und verbraunte Rendsinen vor, im Anschluß daran trifft man vor allem auf Rücken und Blockhalden auf rein organische Bodenbildungen mit stark wechselnder Mächtigkeit (5-30 cm).

Bedeutung und Beurteilung:
Der urig anmutende Bestand liegt genau an einer alten Bringungsgrenze. Während das Holz der talauswärts gelegenen Bestände (in etwa ab dem Lochhüttel) getriftet werden konnte, wurden die im Bereich der alten Bergwerksanlagen gelegenen Bestände zwischen Überschalljoch und dem Knappenhüttel für den Holzbedarf der Berbauanlagen (Brennholz, Grubenholz) verwendet. Der beschriebene, subalpine Fichtenbestand wurde in der Vergangenheit vermutlich geschont, weil er aus beiden möglichen Nutzungsrichtungen der am schwersten zugängliche Bestand war.
Auch das Vorhandensein großer Totholzvorräte (50 Vfm) in allen Stadien der Zersetzung belegt das Unterbleiben der forstlichen Nutzung.Während sich die forstliche Nutzung auch zu Zeiten der größten Holznot auf kleine, einzelstammweise Eingriffe beschränkt haben dürfte, wurde noch in diesem Jahrhundert der Bestand von der Hallerangeralm aus beweidet, aktuell finden sich kaum noch Anzeichen einer Beweidung.

Der Bestand stellt mit Ausnahme einiger Extrembestockungen den naturnächsten Wald imVomperloch dar. Obige Beschreibung bestätigt auch der Bewertungsbaum – der Bestand kann mit einer beeindruckenden Dichte von Höchstbewertungen der Naturnähekriterien aufwarten, aus denen lediglich der Holzvorrat am ertragsschwachen, subalpinen Blockstandort abfällt. Als – in diesem Fall bedauerlicherweise – stark wertmindernd geht aber die Tatsache ein, daß der Waldtyp Subalpiner Fichtenwald zu den häufigsten – und ungefährdetsten – im Lande zu zählen ist. Die Strukturvielfalt erreicht durch ihren mehrstufigen, lockeren Aufbau und den recht hohen Artenreichtum einen für Fichtenbestände relativ sehr hohen Wert; der Gesamtwert ist aus oben genannten Gründen (nur) „relativ hoch“.

Rückfragen bitte direkt beim Alpenpark Karwendel oder bei:

DI Dr. Michael Haupolter
Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. Umweltschutz
Tel.: + 43 (0) 512 508-3466
michael.haupolter@tirol.gv.at


Bisherige Naturwaldreservate im Naturpark Karwendel

Region Hall-Wattens
Innsbruck
Achensee
Silberregion Karwendel
Seefeld
Naturjuwele