Naturwaldreservat Weites Tal

Zirben im Karwendel

Steckbrief

Gemeinde: Scharnitz
Gesamtfläche [ha]: 64,26
Waldfläche [ha]: 64,26
Waldhauptgruppe: Hochsubalpiner-Lärchen-Zirben-Wald
Waldgesellschaft: Karbonat-Lärchen-Zirbenwald Pinetum cembrae

Kurzbeschreibung:
An der Ostflanke des Hohen Gleirsch liegt nahe der deutschen Grenze an den Einhängen der Riegelkarspitzen in das Hinterautal das Naturwaldreservat „Weites Tal“. Der stufige und mit zunehmender Seehöhe immer lichter werdende Bestand weist die für den subalpinen Fichtenwald und den Karbonat- Lärchen- Zirbenwald charakteristische Rottenstruktur auf.


Biotopfläche:
Zirbenwald Weites Tal, Lärchen-Zirbenbestand
Leitbiotoptyp:
Seltene Waldgesellschaft
Standortstyp:
Karbonat-Lärchen-Zirben-Wald

Beschreibung:
In westlicher bis nördlicher Expositon bilden die Zirben die Baumgrenze, sie können bis in eine Höhe von mehr als 1900 m wachsen, nur in östlicher Expositon sind Lärchen konkurrenzkräftiger. Mit sinkender Höhe steigt die Lärchenbeimischung, vereinzelt finden sich Zirben aber sogar noch im Fichten-Tannen-Waldgürtel. Im Einflußbereich von Lawinen oder Schneeschub, oder auf Schutthalden und jüngeren Bodenbildungen kann nur mehr Latsche wachsen, bessere Standorte (Raibler Schichten oder glaziale Flugsande in Hangverflachungen) sind gerodet, nach unten schließen subalpine Fichtenwälder an.

Bedeutung und Beurteilung:
Zirbenreiche Bestände sind im inneralpinen Bereich wegen des trockeneren Klimas und damit der größeren Sommerwärme weit verbreitet, in den nördlichen Teilen des Naturschutzgebietes fehlen sie bis auf kleinflächige, standortsextreme Vorkommen (Karwendeltal, Johannestal). Zirbe kann nur auf saurem Humus ankeimen, Lärche wiederum nur auf Mineralboden; die Lärche fungiert also als Pionierbaumart, akkumuliert Sreu und wird von Zirbe verdrängt. Weidebewirtschaftung, für welche die Lichtbaumart Lärche weniger stört, dezimierte die Zirbenbestände. Die Zirbe verjüngt sich – im Gegensatz zum Gleirschtal – meist ausreichend. Neben dem geschützten Seidelbast (Daphne mezereum) wertet das Auftreten von mehreren teilweise geschützten Pflanzen, die Zirbe gehört dazu, die Biotopflächen weiter auf.

Biotopwert:
Anders als bei den Zirbenwaldresten des Gleirschtales ist hier nicht nur die Baumschicht sehr naturnah aufgebaut, auch die Verjüngungsdynamik funktioniert in den lockeren, mehrschichtigen Beständen ausgezeichnet, was auch zu einer sehr guten Bewertung der Strukturviefalt führt.

Der Bestand stellt mit Ausnahme einiger Extrembestockungen den naturnächsten Wald imVomperloch dar. Obige Beschreibung bestätigt auch der Bewertungsbaum – der Bestand kann mit einer beeindruckenden Dichte von Höchstbewertungen der Naturnähekriterien aufwarten, aus denen lediglich der Holzvorrat am ertragsschwachen, subalpinen Blockstandort abfällt. Als – in diesem Fall bedauerlicherweise – stark wertmindernd geht aber die Tatsache ein, daß der Waldtyp Subalpiner Fichtenwald zu den häufigsten – und ungefährdetsten – im Lande zu zählen ist. Die Strukturvielfalt erreicht durch ihren mehrstufigen, lockeren Aufbau und den recht hohen Artenreichtum einen für Fichtenbestände relativ sehr hohen Wert; der Gesamtwert ist aus oben genannten Gründen (nur) „relativ hoch“.

Rückfragen bitte direkt beim Alpenpark Karwendel oder bei:

DI Dr. Michael Haupolter
Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. Umweltschutz
Tel.: + 43 (0) 512 508-3466
michael.haupolter@tirol.gv.at


Bisherige Naturwaldreservate im Naturpark Karwendel

Region Hall-Wattens
Innsbruck
Achensee
Silberregion Karwendel
Seefeld
Naturjuwele