Winter im Karwendel

Winterzeit ist Ruhezeit – für Säugetiere und Vögel gleichermaßen: Wir zeigen, was es zu beachten gilt, und wie man sie beobachten kann!

Reh-Capreolus-capreolus_FStraubinger

Beachte das Ruhebedürfnis der Tiere!

Das Reh ist im winterlichen Wald kaum zu entdecken!

Für die allermeisten heimischen Tiere ist der Winter jedes Jahr eine Herausforderung, bei der es ums Überleben geht. Gerade das alpine Klima, bei dem Temperaturen von -20°C keine Seltenheit sind, verlangt seinen Bewohnern alles ab. Wenn wir unsere beheizten Wohnungen für einen Winterspaziergang oder eine Skitour verlassen, sollten wir darum versuchen, jede unnötige Störung zu vermeiden. Die wohl wichtigste Richtlinie hierfür lautet:

An regelmäßig passierende Winterwanderer gewöhnen sich Hirsch, Reh und Gams leicht – umso beängstigender ist es für sie darum, wenn ein Zweibeiner plötzlich den Weg verlässt. Die oftmals panische Flucht kann im Tiefschnee leicht zur völligen Erschöpfung führen. Darum ist es ratsam, im Wald hauptsächlich auf Forstwegen zu bleiben. Für Skitourengeher empfiehlt sich neben örtlich ausgeschilderter Lenkung, wie am Schönalmjoch, vor allem die „Trichter-Regel“: im Wald direkt aufsteigen und abfahren und erst oberhalb der Baumgrenze größere Querungen etc. vornehmen.

Winterruhe Karwendel Gams

Perfekt an den Winter angepasst

Trotz ihrer Körpergröße sind Reh und Hirsch im Wald ebenso wie Gams und Steinbock oberhalb perfekt an den harten Winter im Gebirge angepasst. Das dicke Winterfell, das sich aus speziell isolierender Unterwolle und den Wind- und Wetter abwehrenden Grannenhaaren zusammensetzt, funktioniert besser als jede Gore-Jacke. Im Gegensatz zum Murmeltier halten diese Huftiere zwar keinen Winterschlaf, können bei viel Neuschnee aber durchaus im Schutze einer großen Fichte mehrere Tage bei stark gesenktem Kreislauf ausharren. Nur so ist es ihnen möglich, die sonnigen Tage abzuwarten, wo vorzugsweise an Südhängen der Schnee abrutscht und darunter liegende Gräser freigibt.

Beobachtungstipps:
Genau solche Stellen ziehen besonders Gämsen notwendig an, sodass die Wahrscheinlichkeit, von einem Forstweg aus mit Fernglas oder Spektiv Erfolg zu haben, sehr groß ist! Hirsche halten sich meist in der Nähe von Fütterungen auf und sollten dort nicht gestört werden. Rehe kann man in der Dämmerung am Waldrand ähnlich wie im Sommer beobachten, tagsüber findet man dort auch gern die Spuren ihrer nächtlichen Nahrungssuche.
Besonders lohnend auch für uns ist es, die Beobachtungen unter Naturgucker.at einzutragen!!

Winterruhe Karwendel Tierspuren

Tierspuren im Schnee

Bei einem Winterspaziergang findet man oft zahlreiche Tierspuren im Schnee. Diese zu entschlüsseln kann sehr spannend sein und den Kopf zum Rauchen bringen! Am Besten nähert man sich einem Abdruck, indem man untersucht, ob Hufe oder Pfotenabdrücke zu sehen sind. Dann gilt es die einzelnen Füße voneinander zu unterscheiden und eine Spur daraus zu knüpfen: In welche Richtung war das Tier unterwegs? Ging es gemächlich oder hüpfte es? Rannte es gar im hohen Galopp vor etwas davon? Schließlich kann man am Vergleich mit den eigenen Spuren auch das Alter der Trittsiegel abschätzen.
Für den Anfang hilfreich sind Naturführer zu Tierspuren! Ein eher fortgeschrittenes Hilfsmittel ist das Metermaß, um die Spuren genau abzumessen und anschließend vergleichen zu können.

Typische Spuren:
– Der Fuchs „schnürt“ bekanntlich durch den Schnee, setzt in seinem Trab immer einen Fuß hinter bzw. in den anderen.
– Reh, Gams und Hirsch aber auch eine Katze bewegt sich im langsamen Diagonalgang – ebenso wie wir auf unseren zwei Beinen.
– Hasen hoppeln bekanntlich im Galopp, ein charakteristisches Muster, das aber nahezu alle anderen Tiere auf der Flucht auch zeigen. – Ungewöhnlich sieht schließlich vor allem der Zweisprung aus, wie ihn Hermelin, Stein- und Baummarder an den Tag legen, die wie eine Ziehharmonika über den Schnee hüpfen.

> Mehr zu Spuren im Schnee

Erlenzeisig_FranzStraubinger

Ein Erlenzeisig sonnt sich – man beachte den Körnerfresserschnabel!

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Haubenmeise bei der Fütterung

Vogelfütterung und – Beobachtung

Winterzeit ist Vogelfütterungszeit! Ein regelmäßig und von vielen verschiedenen Gästen besuchtes Fütterungshäuschen zählt für viele zu den schönsten kleinen Freuden des Winteralltags. Damit aber auch viele Vögel den Weg dorthin finden und nicht nur satt werden sondern auch gesund bleiben, gilt es einiges zu berücksichtigen.

Hygiene am Häuschen:
Ungünstig sind Futterstellen, an denen die Vögel direkt im Futter herumhüpfen und sich Kot und Futter vermischen. Daher sind hier solche  Bauten zu bevorzugen (wie unten im Foto), bei denen dies nicht möglich ist. Alternativ kann man auch das Futter flächig ausbreiten, wenn man die Stelle regelmäßig mit heißem Wasser reinigt.

Ort der Fütterung

Vögel kommen nur dann zur Fütterung, wenn diese in ihren Lebensraum integriert ist: Auch wenn sie fliegen können und so theoretisch fast jeden Ort erreichen können, ist ihr Lebensraum nicht einfach “die Luft”, sondern stark strukturiert. Das bedeutet, dass Büsche in der Nähe sein sollten, in denen sie Deckung finden vor dem gefürchteten Sperber, der hauptsächlich Singvögel jagt. Gleichzeitig muss die Fütterung aber einsichtig sein, sodass sich keine Katze ungesehen anschleichen kann. Generell viel wichtiger als die Fütterung zur Winterzeit ist eine reich strukturierte, naturnahe Landschaft mit vielen unterschiedlichen Büschen und Bäumen, deren Früchte zum einen in verschiedenen Wintermonaten “reif” werden und auch solchen Vögeln Nahrung bieten, die nicht zur Fütterung kommen, zum anderen den Vögeln und anderen Tieren Zuflucht bieten und ihren Lebensraum drastisch verbessern. Schließlich ist eine Überdachung auch empfehlenswert, damit die Körner nicht lange nass sind und verderben – wobei manche Vögel wie Drosseln im Wasser aufgequollene Samen auch mögen.

Beobachten und Fotografieren
Die Winterfütterung ist ja gerade deswegen so etwas feines, weil man Vögel aus der Nähe beobachten kann wie sonst nur selten! Darum ist es natürlich zu empfehlen, die Fütterung dort aufzubauen, wo man sie gut sehen kann – direkt vor dem Fenster ist aber vielen Vögeln doch zu heikel. Die Lösung? Ein Fernglas! Wenn die Fütterung einigen Abstand zum Haus hat, trauen sich mehr Vögel hin, und wenn man hinter dem Fenster ruhig bleibt (Vögel reagieren schon auf kleinste Bewegungen, sehen besser als wir!) dann kann man stundenlang beobachten. Um beim Fotografieren Verspiegelungen und Unschärfen zu vermeiden, sollte kein Glas zwischen einem selbst und den Vögeln sein – was das ganze deutlich schwieriger macht. Eine Idee wäre es, die Kamera auf einem Stativ auf das Vogelhaus einzustellen, und per Fernauslöser aus der Deckung heraus zu knipsen. Manchmal ist man auch erfolgreich, indem man sich ganz langsam mich auf die Vögel zubewegt (aber nicht bei der Fütterung) und nach jedem Schritt länger pausiert. Dabei ist es sinnvoll, nicht direkt in ihre Richtung zu gehen, sondern schräg an ihnen vorbei; ebenso sind hektische Bewegungen absolut zu vermeiden – das gilt nicht nur fürs Fotografieren, sondern überhaupt für Tierbeobachtungen!

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Weißrückenspecht – Bild: © A. Schäfferling

Weichfresser und Körnerfresser: das Futter

Wer über die Lebensweise eines Vogels etwas lernen will, der schaut sich zuerst seinen Schnabel an. Weil die Hände zu Flügeln geformt sind, übernimmt er ihre Rolle und ist das perfekte Werkzeug für den jeweiligen Bedarf. Generell lassen sich aber bei Singvögeln zwei Hauptgruppen unterscheiden, Körnerfresser (mit einem dicken kurzen Schnabel, z.B. Finken) und Weich- bzw. Insektenfresser (mit langem dünnen Schnabel, z.B. Amsel, Rotkehlchen). Meisen sind dazwischen und fressen Weichfutter ebenso wie Körner, haben darum auch einen gemischten Schnabel. Eine gute Fütterung sollte möglichst viele Nahrungsarten abdecken, auf jeden Fall aber diese beiden. Als Körnerfutter ideal sind einfach ungeschälte Sonnenblumenkerne, die man außerdem mit dem Mixer ganz kurz häckseln kann, dann kommt auch das Rotkehlchen an den weichen Inhalt einzelner Samen. Für die Weichfresser ist sonst Fettnahrung ideal, die sich sehr leicht selbst herstellen lässt: Einfach Fett (z.B. Talg, den man als Abfall beim Metzger holen kann, oder einfacher: Pflanzenfett) erwärmen und Haferflocken oder Vollkornflocken hineingeben. Die zähflüssige Paste kann man dann in einen Blumentopf geben, in dessen Ausflussloch man zuvor mit einem Stock eine Schnur befestigt hat; abgekühlt erhärtet das Fett und man kann den Topf als “Futterglocke” umgekehrt aufhängen oder in ein ausgehöhltes Stück Holz streichen. Hier gibts eine Anleitung! Zusätzlich zu Körnern und Fettnahrung kann man auch Obst anbieten.

Literatur
Schließlich bleibt nur noch der Hinweis auf die reichhaltige Bestimmungsliteratur, angefangen von kleinen Anfänger-Büchern, die mit 50 Arten auch schon die meisten an der Fütterung anzutreffenden enthalten, bis hin zum großen Kosmos-Werk “Vögel Europas, Nordafrikas und Vorderasiens” von Svensson, Grant, Mullarney. Wer über die Fütterung die Augen öffnet für den unglaublich lebendigen Reichtum an Vogelarten und sein Auge auch im Sommer weiter schulen will, für den ist letzterer mit seinen wunderbaren Zeichnungen fast schon ein Muss. Konkret zur Winterfütterung ist aber besonders “Vögel füttern im Winter” vom Kosmos-Verlag zu empfehlen, das Büchlein erklärt deutlich ausführlicher als ich hier, wie man sinnvoll Vögel füttert und hat noch einen Bestimmungsteil, in dem man auf großen Bildern seine Futtergäste wiederfindet.