Hintergrund
Auf bayerischer Seite werden die rund 50 Steinadlerreviere seit den 1990er-Jahren jährlich vom LfU,
dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. sowie der Nationalparkverwaltung
Berchtesgaden kontrolliert – mit maßgeblicher Unterstützung ehrenamtlicher Revierbetreuender. Von
den aktuell 52 besetzten Revieren (Stand 2024) liegen 11 grenzüberschreitend zu Österreich. In
diesen Grenzrevieren bestehen jedoch erhebliche Wissenslücken: Häufig werden nur Bruten auf
bayerischer Seite dokumentiert, während Vorkommen und Bruterfolge auf Tiroler Seite unklar bleiben.
Auch die exakte Ausdehnung der Reviere, mögliche Verschiebungen der Territorien oder
Neugründungen sind nicht systematisch erfasst.
Die bayerische Population weist mit durchschnittlich nur 0,3 flüggen Jungvögeln pro Revier und Jahr
eine vergleichsweise geringe Produktivität auf. Die Ursachen sind unklar. Direkte illegale Verfolgung
ist weitgehend auszuschließen, und durch den Umstieg auf bleifreie Jagd in den Bayerischen
Staatsforsten seit 2022 ist auch das Risiko durch Bleivergiftung reduziert. Ein systematischer
Vergleich mit den angrenzenden Tiroler Revieren könnte entscheidende Hinweise auf gemeinsame
oder unterschiedliche Gefährdungsfaktoren geben und dabei helfen, sogenannte Source- und Sink-
Gebiete zu identifizieren.
Das Projekt verbindet die langjährige Monitoring-Expertise der bayerischen Seite mit den bisher
lückenhaften Daten auf Tiroler Seite. Durch den Transfer von Methoden, die gemeinsame Erfassung
grenzüberschreitender Reviere und eine abgestimmte Schutzstrategie entsteht erstmals ein
einheitliches Bild der Steinadlerpopulation im Karwendelgebirge – welches sich über bayerisches und
tiroler Territorium erstreckt – und seinen Grenzgebieten. Dabei werden vorhandene historische Daten
(u.a. Landmann & Mayrhofer 2001) mit aktuellen Erhebungen verknüpft und durch eine koordinierte
Besucherlenkung ergänzt.
Ziel des Projekts ist die Sicherung des Steinadlerbestands durch einheitliche, grenzüberschreitende
Datengrundlagen und daraus abgeleitete Schutzmaßnahmen. Erwartet wird:
-eine bessere Kenntnis der Populationsdynamik,
-eine Reduktion von Störungen an Brutplätzen durch gezielte Besucherlenkung,
-ein Beitrag zur Stabilisierung und Erhöhung der Reproduktionserfolge,
-sowie eine nachhaltige Balance zwischen Naturschutz und naturverträglichem Tourismus.