Aktuelle Forschung

Der Naturpark Karwendel sieht sich als Partner der Forschung und wir haben daher großes Interesse, wenn aktuelle Forschungsprojekte, insbesondere in den Bereichen Biologie, Ökologie, Ärchaologie, Geologe etc., bei uns umgesetzt werden. Wir stehen unseren Partnern mit regionalen Wissen, Unterstützung bei der Logistik und bei der Darstellung für die interessierte Öffentlichkeit zur Seite. Anbei findet sich eine Auswahl aktueller Forschungsvorhaben und eine Vorstellung der Forscher*innen.

Forschungskatalog Naturpark Karwendel

Neben „Naturschutz“, „Erholung & Tourismus“, „Umweltbildung“ sowie „Regionalentwicklung“ ist die Säule „Wissen & Forschung“ stark in der Arbeit des Naturparks Karwendel verankert.

Der Naturpark Karwendel sieht sich als regionaler Partner, der wissenschaftliche Institutionen mit seinem regionalen Wissen und bei der Logistik unterstützt. Zudem sind Forschung und Wissensaufbau für den Naturpark Basis einer nachhaltigen Weiterentwicklung des Schutzgebietes und der Region und zentral für die anderen Schwerpunkte der Naturparkarbeit.

Was können Studierende vom Naturpark Karwendel erwarten?

  • Unterstützung bei der Themenfindung und -schärfung
  • Unterstützung bei organisatorischen Fragen im Vorfeld und während der Geländearbeit
  • Unterstützung bei Forschungsfonds, insbesondere beim Forschungsfonds des VNÖs (Verband der Naturparke Österreichs)
  • Unterstützung bei naturschutzfachlichen Fragen

Was kann der Naturpark für Studierende nicht leisten?

  • Offizielle universitäre Betreuung
  • Unterstützung bei methodischen, statistischen Fragen
  • Finanzielle Unterstützung aus der sich in irgendeiner Weise ein Dienst-Verhältnis ableiten lässt.

Was wünscht sich der Naturpark von den Studierenden?

  • Regelmäßiger, proaktiver Austausch in allen Phasen der wissenschaftlichen Arbeit
  • Zustimmung zur Veröffentlichung der Arbeit und zur Vorstellung der Studierenden inkl. Bildern auf unserer Homepage
  • Unaufgeforderte Übermittlung der abgeschlossenen Arbeit als pdf und in gedruckter Form
  • Übermittlung von Rohdaten, Bildern, Diagrammen etc., die unter Einhaltung sämtlicher Quellenangaben vom Naturpark kostenlos im Rahmen seines gemeinnützigen Auftrags verwendet werden können.

Wir freuen uns auf eure Anfragen!

Weitere Informationen und eine ständig weiterwachsende Themensammlung findest du im Forschungskatalog:

Ein quadratischer, mit Maßbändern markierter Quadrant auf grasbewachsenem Boden, Teil der aktuellen Forschung, mit einer kleinen Kreidetafel mit der Aufschrift "D23 9.22 N" in der unteren linken Ecke.
Bildnachweis: Magdalena Haidegger
Eine weiße Insektenfalle, die in der aktuellen Forschung verwendet wird, hängt an einem Baum an einem bewaldeten Hang, mit einem Tal und schneebedeckten Bergen im Hintergrund.
Bildnachweis: Marius Rösel

Simon Eisele im Interview:

Masterarbeit – Der Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotos) im Naturpark Karwendel – Modellierung der Habitateignung anhand eines Expertenmodells

Simon Eisele erforscht im Zuge seiner Masterarbeit am Institut für Ökologie der Universität Innsbruck die Lebensraumeignung für den planungsrelevanten Weißrückenspecht.

Wie bist du zu deinem Thema gekommen?

Über ein Wahlmodul im Ökologie Master, bei dem eine Habitatmodellierung für Schneehühner durchgeführt wurde. Daraufhin wollte ich ein Modell für eine andere planungsrelevante Art mit aktuellen Daten erstellen, das praktischen Nutzen hat und interdisziplinären Austausch erfordert. Der Weißrückenspecht wurde ausgewählt, weil er als Zielart für den Naturpark fungiert und daher viele weitere Arten profitieren, wenn eine stabile Population vorhanden ist.

Wie sieht deine Arbeit im Gelände konkret aus?

In den frühen Morgenstunden gehe Ich 5 Probeflächen je 3 Mal in Schleifen ab, um das Modell zu evaluieren. Im Abstand von 300m wird eine Klangattrappe abgespielt, um die Art nachzuweisen. Es werden zudem Daten zur Baumartenzusammensetzung, zum Waldalter, zum Überschirmungsgrad, zur Totholzmenge und syntop vorkommende Vogelarten erhoben.

Warum sind diese Standorte ideal für deine Forschungsarbeit?

Der Naturpark Karwendel befindet sich an der westlichen Verbreitungsgrenze der Art und hat viele alte, totholzreiche Laubmischwälder vorzuweisen, die optimalen Lebensraum für Spechte bieten. Somit eignet sich der Naturpark perfekt als Modellareal, um zu erproben, welche Faktoren für eine optimale Habitateignung relevant und wo diese Bereiche vorzufinden sind.

Welche Ziele verfolgt dein Forschungsprojekt?

Die Arbeit dient dazu, Managementpläne auf lokaler Ebene zu detaillieren und Flächen mit Entwicklungspotenzial hervorzuheben. Somit kann der Fortbestand einer stabilen Spechtpopulation gewährleistet und zudem wertvoller Lebensraum erhalten und neu geschaffen werden.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Naturpark Karwendel?

Die Arbeit erfolgt sowohl in der Konzeption als auch bei der Auswertung in enger Absprache mit dem Naturpark. Vor allem Hermann Sonntag ist ein wichtiger Ansprchpartner, der mich mit seiner lokalen Expertise von der Vermittlung von Kontakten bis hin zur Geländearbeit begleitet hat.

Was sind deine beruflichen Pläne, die du gerne nach Abschluss deiner Arbeit anpeilen würdest?

Von Juli bis Oktober 2023 bin ich als Praktikant im Naturpark Karwendel tätig. Danach will ich im praktischen Naturschutz arbeiten und mich für den Erhalt der Biodiversität einsetzen – Wo genau ist noch offen. Ich kann mir sowohl vegetationskundliche als auch ornithologische Projektarbeit vorstellen.

Weiterhin viel Erfolg und auf eine fruchtbare Zusammenarbeit!

Eine Person, die eine Brille und ein Stirnband trägt, hält in einer Waldlandschaft einen schwarzen tragbaren Lautsprecher über den Kopf - vielleicht inspiriert durch die aktuelle Forschung über die Wirkung von Musik in der Natur.
Karte der Lebensraumeignung für den Weißrückenspecht auf der Grundlage der aktuellen Forschung, wobei verschiedene Eignungszonen, Probeflächen und Fährten in einem Waldgebiet markiert sind. Die Legende erklärt die Symbole.
Ein Specht mit schwarzer, weißer und roter Zeichnung klammert sich an den Stamm eines moosbewachsenen Baumes, umgeben von Ästen - ein auffälliges Motiv, das in der aktuellen Forschung über Waldökosysteme häufig beobachtet wird.

Magdalena Strötz im Interview:

Masterarbeit: Citizen Science auf Naturführungen – Entwicklung und Erprobung eines praxisorientierten Methodenrepertoires zur Integration partizipativer Forschung in Exkursionen

Universität: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Studium: Master Ökologie und Biodiversität

Wie bist du zu deinem Thema gekommen?

Neben meinem Studium arbeite ich selbstständig als Natur- und Wanderführerin. Auf Führungen entdecke ich gemeinsam mit den Teilnehmenden immer wieder besondere Arten und Lebensräume. Dabei entstand die Idee, dass ich, aber auch andere Wanderführer:innen die Zeit während einer Tour für eine strukturierte Datenerhebung von Flora und Fauna nutzen könnten. Um dies sinnvoll umzusetzen, braucht es ein konkretes, gut ausgearbeitetes Schema, das ich im Rahmen meiner Arbeit entwickeln möchte.

Wie sieht deine Arbeit im Gelände konkret aus?

Ich werde im Sommer mit Gästen zwei Karwendeldurchquerungen führen. Auf den Touren werde ich mein erarbeitetes Konzept, also die Integration von Citizen Science in Naturführungen, in der Praxis testen.

Warum ist dieser Standort ideal für deine Forschungsarbeit?

Im Naturpark Karwendel finden zahlreiche touristische Führungen statt, nicht zuletzt aufgrund der vielfältigen Lebensräume. Dadurch bietet sich der Standort ideal für ein Pilotprojekt an, bei dem naturkundliche Führungen mit strukturierter Datenerhebung kombiniert werden.

Welche Ziele verfolgt dein Forschungsprojekt?

Das Projekt schafft eine Schnittstelle zwischen Forschung und Öffentlichkeitsarbeit, indem wissenschaftliche Datenerhebung mit Umweltbildung verbunden wird.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Naturpark Karwendel?

Ich erhalte vom Team des Naturparks wertvolle Gebietsinformationen sowie praxisnahe Anregungen zu meiner Arbeit.

Was sind deine beruflichen Pläne, die du gerne nach Abschluss deiner Arbeit anpeilen würdest?

Ich möchte im praktischen Naturschutz mit Fokus auf den alpinen Raum arbeiten – wo genau ist noch offen. Nebenbei möchte ich weiter als Natur- und Wanderführerin tätig sein

Weiterhin viel Erfolg und auf eine fruchtbare Zusammenarbeit!

Eine Person mit Mütze und Freizeitkleidung steht im Freien auf einer Wiese und liest ein Buch über aktuelle Forschung, mit Bäumen und Hügeln im Hintergrund.
Bildnachweis: Benjamin Dignal

Martha Antonia Eder im Interview:

Bachelorarbeit: „Naturschutzfachliche floristische Erfassung und Bewertung des Hölzelstal-Mittellegers“

Universität: Hochschule Weihenstephan Triesdorf

Studium: Forstingenieurwesen

Wie bist du zu deinem Thema gekommen?

Durch mein Praxissemester im Naturpark Karwendel.

Wie sieht deine Arbeit im Gelände konkret aus?

Ich möchte eine Vegetationskartierung nach Braun-Blanquet durchführen. Dafür bin ich vor Ort, teile das Gelände in Straten ein und wähle anschließend möglichst homogene Flächen für meine Aufnahmen aus.

Warum ist dieser Standort ideal für deine Forschungsarbeit?

Das Almgelände der Hölzelstalalm ist noch nicht kartiert worden, könnte aber naturschutzfachlich sehr spannend sein. Außerdem arbeite ich vier Monate vor Ort und kann so optimal die Aufnahmen durchführen.

Welche Ziele verfolgt dein Forschungsprojekt?

In anderen Naturparken gibt es schon nahezu flächendeckende Almkartierungen. Im Naturpark Karwendel gibt es schon eine Kartierung vom Gramai Hochleger, daran lässt sich durch meine Arbeit anknüpfen.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Naturpark Karwendel?

Ich bin sehr motiviert, meine Bachelorarbeit in so einem schönen Gebiet durchzuführen, gleichzeitig kann der Naturpark mir mit wertvollen Daten weiterhelfen. Ich hoffe, dass ich mit meiner Arbeit zu einem Ergebnis komme, das dem Naturpark bei der Schutzgebietsbetreuung weiterhilft.

Was sind deine beruflichen Pläne, die du gerne nach Abschluss deiner Arbeit anpeilen würdest?

Ich möchte mich gerne noch umfassender weiterbilden, daher ist noch nicht sicher, ob ich die Forstschule in Lohr am Main besuche oder einen Masterstudiengang beginne.

Weiterhin viel Erfolg und auf eine fruchtbare Zusammenarbeit!

Sebastian Puzon & Magdalena Rubesova im Interview:

Masterarbeiten: „Assessing drivers of benthic invertebrate (Sebastian) & periphyton (Magdalena) community compositions in headwaters of the Karwendel nature park“

Universität: Universität Innsbruck

Studium: Ökologie und Biodiversität & Environmental Management of Mountain Areas

Wie bist du zu deinem Thema gekommen?

Sebastian: In mehreren Wahlmodulen kam das Thema auf, dass kleinere Fließgewässer stärkeren Schwankungen zB. in der Abflussmenge unterliegen als größere Fließgewässer, also insgesamt „instabiler“ sind. Dabei fiel mir auf, dass es dazu einige Ausnahmen gibt. Aus diesem Grundgedanken kam die Idee auf mehrere, teils sehr unterschiedliche Bäche miteinander zu vergleichen und die Unterschiede ihrer Makrozoobenthosgemeinschaften anhand von mehreren Umweltvariablen zu erklären. Ich arbeite zusammen mit einer anderen Masterandin, um den Arbeitsaufwand vertretbar zu machen.

Magdalena: I knew I wanted to do my master’s thesis on fluvial ecosystems and combine it with extensive fieldwork. I also knew that Gabriel Singer’s research group combined these two aspects very well, so I approached them, and they offered me this thesis topic.

Wie sieht deine Arbeit im Gelände konkret aus?

Sebastian: Im Frühjahr installieren wir an ausgewählten Bächen Logger und vermessen die Bäche hydromorphologisch. Über das Jahr verteilt nehme ich dann mehrfach Proben des Makrozoobenthos und messe einige hydrologische Parameter. Im Herbst bauen wir alles wieder ab.

Magdalena: My fieldwork initially involved deploying equipment such as water pressure, light, and oxygen loggers. We had to select and survey the sites that we would use over the following six months. Afterwards, I will visit these sites every month to collect algae samples from solid surfaces in the rivers of Karwendel.

Warum ist dieser Standort ideal für deine Forschungsarbeit?

Sebastian: Die Berge im Karwendel bestehen überwiegend aus Kalk. Gewässersysteme auf Kalkstein haben durch die Ausbildung von Karst komplexe unterirdische Wasserspeicher. Die Folge sind sehr unterschiedliche Bäche auf engstem Raum.

Magdalena: Karwendel, with its diverse conditions, provides an excellent setting for my research. Each headwater stream is slightly different, with its own hydro morphology and flow regime. The surrounding environment, fauna, and flora also vary from site to site. At the same time, many of the headwaters are quite isolated from one another, as Karwendel contains three separate valleys, and they are located at different elevations. This makes Karwendel a perfect location for my research.

Welche Ziele verfolgt dein Forschungsprojekt?

Sebastian: Allgemein ist das erstmal Grundlagenforschung. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten mit zunehmend extremen Wetterereignissen durch den Klimawandel, aber bald auch praktische Relevanz bekommen, um besser zu verstehen, wie die Bachfauna auf unterschiedliche Bedingungen reagiert. Der Kenntnisstand zum Makrozoobenthos im Karwendel ist bisher außerdem sehr dürftig, hier dürften die Daten auch einen hohen faunistischen Wert haben.

Magdalena: The aim of my thesis is to better understand how algae respond to different factors, whether environmental or spatial. Algae respond rapidly to environmental changes, and studying these responses can contribute to future research on environmental change in nature around us, as well as in the context of Climate Change

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Naturpark Karwendel?

Sebastian: Die Themenfindung fand in Zusammenarbeit mit dem Naturpark statt. Die schnelle Kommunikation ermöglichte bisher auftretende Probleme gut zu lösen.

Magdalena: My collaboration with the Nature Park Karwendel is based on support from the park administration through Ms. Magdalena Haideger, who provides us with legal and informational assistance regarding our presence and field operations within the park. The Nature Park Karwendel provides us with the necessary study sites and field conditions for conducting our research.

Was sind deine beruflichen Pläne, die du gerne nach Abschluss deiner Arbeit anpeilen würdest?

Sebastian: Ich bin aktuell noch etwas unentschlossen, möchte aber weiter in der ein oder anderen Form in der Gewässerökologie tätig sein. Sehr gerne würde ich dabei auch weiter mit Makrozoobenthos arbeiten, ob in Planungstätigkeiten, in der Verwaltung oder der Forschung wird sich zeigen.

Magdalena: After completing my thesis, I would like to pursue a PhD or work in a field related to my research topic. I would like to continue conducting fieldwork in alpine environments and contribute data relevant to the management and conservation of the Alps.

Weiterhin viel Erfolg und auf eine fruchtbare Zusammenarbeit!

Ein kleiner, klarer Bach fließt durch ein bewaldetes Gebiet mit einem kurzen Wasserfall, Felsen, die unter Wasser sichtbar sind, und einem schwarzen Sensorgerät, das als Teil der aktuellen Forschung teilweise untergetaucht ist, auf der rechten Seite.

Johanna Kohlauf im Interview:

Bachelorarbeit: „Erfassung und Bewertung der Vegetation der Hinterschleimsalm“

Universität: Hochschule Weihenstephan Triesdorf

Studium: Umweltsicherung

Wie bist du zu deinem Thema gekommen?

Ich habe mich schon immer für Almen interessiert und bin dann im Forschungskatalog des Naturparks auf das Thema gestoßen.

Wie sieht deine Arbeit im Gelände konkret aus?

Ich werde einige Vegetationsaufnahmen machen, die in unterschiedlichen Geländehöhen und Biotoptypen liegen.

Warum ist dieser Standort ideal für deine Forschungsarbeit?

Die Alm mit Nieder- und Hochleger deckt sehr unterschiedliche Höhen ab und hat auch eine gewisse Größe, was spannende Auswertungen ermöglicht.

Welche Ziele verfolgt dein Forschungsprojekt?

Es gibt im Naturpark bereits eine Almkartierung auf dem Gramai-Hochleger, dadurch dass die Almen kartiert werden, kann man besser einschätzen welche schützenswerte Arten dort vorkommen. Dadurch kann z.B. die Bewirtschaftung angepasst werden.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Naturpark Karwendel?

Der Gebietsvorschlag kam vom Naturpark, dazu habe ich auch einige Informationen bekommen. Bei Fragen kann ich mich auch immer melden.

Was sind deine beruflichen Pläne, die du gerne nach Abschluss deiner Arbeit anpeilen würdest?

Nach Abschluss würde ich entweder gerne ins Arbeitsleben einsteigen, am liebsten bei einer Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und Umweltschutz, oder ich mache noch einen Master.

Weiterhin viel Erfolg und auf eine fruchtbare Zusammenarbeit!

Lena Neubert im Interview:

Bachelorarbeit: „Tagfalter Grundlagenerfassung auf ausgewählten Hochmoorstandorten im Naturpark Karwendel“

Universität: Universität Greifswald

Studium: Landschaftsökologie und Naturschutz (international)

Wie bist du zu deinem Thema gekommen?

Meine Faszination für alpine Standorte und eine Schmetterlingsexkursion meiner Uni waren letztendlich ausschlaggebend dafür, als Bachelorarbeit Schmetterlinge im Naturpark Karwendel zu kartieren.

Wie sieht deine Arbeit im Gelände konkret aus?

Bei Schmetterlingskartierungen ist es mitunter entscheidend, dass sie Wetterbedingungen passen. Nur bei sonnigen, warmen, trockenen und einigermaßen windstillen Bedingungen sind die Tagfalter aktiv und eine Artenaufnahme sinnvoll. Die Kartierung erfolgt in Transekten, also innerhalb der Flächen festgelegten Linien die mit Kescher, Fanggefäß und Kamera ausgestattet für eine halbe Stunde abgelaufen werden. Dabei werden alle Schmetterlingsarten und die dazugehörige Individuenzahl aufgenommen. Falls einzelne Falter nicht im Flug bestimmt werden können, werden sie mit dem Kescher gefangen und in einem Fanggefäß fotografiert. Dabei sind sowohl Fotos Flügelober- als auch Unterseite für eine Nachbestimmung relevant.

Warum ist dieser Standort ideal für deine Forschungsarbeit?

Alpine Standorte sind auf Grund der verschiedenen Höhenstufen reich an verschiedensten Habitaten, das bringt eine enorme Vielfalt an (Schmetterlings-)Arten mit sich. Besonders wenn dann noch Lebensräume wie Moore hinzukommen, die noch weitere spezialisierte Arten mit sich bringen.

Welche Ziele verfolgt dein Forschungsprojekt?

Hintergrund meiner Arbeit ist vor allem eine Grundlagenerfassung der Tagfalterarten auf den ausgewählten Hochmoorstandorten. Schmetterlinge gelten als sogenannte Indikatorarten, anhand ihres Vorkommens bzw. Fehlens können Rückschlüsse über den Zustand ihres Lebensraumes gezogen werden. Denn Schmetterlinge sind innerhalb ihrer verschiedenen Entwicklungsstadien stark auf einzelne Wirts- oder Nektarpflanzen spezialisiert, fehlen diese wird die entsprechende Tagfalterart an diesem Standort nicht (mehr) zu finden sein. So sollen anhand der im Rahmen meine Abschlussarbeit kartierten Schmetterlingsarten auch Rückschlüsse über den Zustand der ausgewählten Hochmoore gezogen werden und wie deren Nutzungsgeschichte und Renaturierungsmaßnahmen die heutige Biodiversität geprägt haben.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Naturpark Karwendel?

Die Hochmoorflächen, auf denen ich die Schmetterlinge kartieren werde, liegen innerhalb des Naturpark Karwendel. Die durch meine Bachelorarbeit entstehenden Daten können weitere Erkenntnisse zu besonderen und schützenswerten Standorten und Arten liefern. Im Naturpark selbst und den Tiroler Landesmuseen ist außerdem bereits eine wertvolle Grundlage an Daten und Wissen vorheriger Forschung gegeben. Die sich konkret in Form von Datenbaken mit Vegetationsaufnahmen, der zoologischen Sammlung, wissenschaftlichen Arbeiten und einigen Ansprechpersonen, die mir mit vielen Antworten weiterhelfen, zeigt.

Was sind deine beruflichen Pläne, die du gerne nach Abschluss deiner Arbeit anpeilen würdest?

Momentan kann ich mir viele Berufsfelder und Wege gut vorstellen. Themen, die mir gerade besonders wichtig sind und ich gerne weiterverfolgen möchte sind, Renaturierung verschiedener Landschaften, Gestaltung der Landwirtschaft, die Beziehung von Menschen zu ihrer Umwelt und die Frage wie Umweltschutz in unserer Gesellschaft umgesetzt wird und werden sollte. Wie genau ich mich mit diesen Themenfeldern auseinander setzen möchte habe ich noch nicht final entschieden. Gerade könnte ich mir einen Anfang mit Master gut vorstellen, vielleicht in Innsbruck oder Freisingen.

Weiterhin viel Erfolg und auf eine fruchtbare Zusammenarbeit!

Fotos: Sebastian Frölich

Naturschutz-Monitoring

Neben den oben vorgestellten Forschungsvorhaben führen wir auch ein regelmäßiges Monitoring durch, um fundierte Aussagen über der Zustand von repräsentativen Lebensräumen und Arten im Naturpark treffen zu können.

Vegetationsanalyse Issanger

Hintergrund

Der Issanger, situiert im hinteren Halltal, hat seine Entstehung als offene Grünfläche dem ehemaligen Salzbergbau zu verdanken und diente den Nutz- und Zugtieren als Nahrungsfläche. In seiner heutigen Form ist er einer der artenreichsten Flächen im gesamten Naturpark Karwendel und wird vom Team Karwendel seit mehr als 10 Jahren wieder regelmäßig (1x/Jahr ca. die Hälfte der Fläche) gemäht.

Monitoring durch Universität Innsbruck

Um eine Erfolgskontrolle über die getätigten Maßnahmen zu erlangen, gibt es eine Kooperation mit dem Institut für Botanik der Universität Innsbruck, die im Rahmen einer Projektstudie in Abständen von mehreren Jahren, die Flächen untersuchen und die Artenvielfalt genau erheben.

Wissenschaftliche Arbeiten

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeiten zeigen, dass die Biodiversität erhalten werden kann, aber es über die Jahre immer wieder natürliche Schwankungen gibt. Die detaillierten Arbeiten der inzwischen 3 Projektstudien finden sich hier.

Wissensdatenbank

Weitere wissenschaftliche Arbeiten finden sich in unserer umfassenden Wissensdatenbank.

Trikha
enzian am issanger
Vier Personen mit Hüten pflücken gebückt auf einer grasbewachsenen Bergwiese, umgeben von Bäumen und felsigen Hügeln, Pflanzen - eine Szene, die an die aktuelle Forschung zur Erforschung der Artenvielfalt in der Natur erinnert.

Vegetationsanalyse Karwendelmoore

Hintergrund

Seit 2003 engagiert sich der Naturpark Karwendel mit zahlreichen Partnern für den Schutz und die Renaturierung der Karwendelmoore. Die Naturschutzmaßnahmen werden seit Anbeginn von verschiedenen Universitäten wissenschaftliche begleitet.

Vergleich der Vegetation

Im Rahmen einer Dissertation fanden 2007 vor den großen Renaturierungsmaßnahmen vegetationskundliche Erhebungen statt. Diese wurden an den exakt gleichen Stellen 2020 wieder durchgeführt und die Aufnahmen verglichen.

Erfolgsversprechende Ergebnisse

Die Ergebnisse sind durchaus erfreulich und zeigen grundsätzlich eine Zunahme der typischen Moorarten und eine Abnahme sog. Störarten. Die gesamte Arbeit steht hier zum Download bereit:

Wissensdatenbank

Weiter wissenschaftliche Arbeiten zu den Mooren und anderen Themen finden sich in unserer umfassenden Wissensdatenbank.

Karwendelmoor
Eine Nahaufnahme einer Sonnentau-Pflanze mit runden, roten Blättern, die mit glitzernden, klebrigen Tröpfchen bedeckt sind, umgeben von grünem Laub und braunen Stängeln - perfekt für Downloads zum Thema Natur.

Heuschrecken Wildflüsse

Heuschrecken als Bioindikatoren

Die Heuschrecken auf den Schotterbänken der alpinen Wildflüsse sind sehr aussagekräftige Zeigerorganismen über den Zustand unserer Fließgewässer. Im Mittelpunkt stehen dabei die Gefleckte Schnarrschrecke, der Kiesbank-Grashüpfer und Türks Dornschrecke – alles prioritäre Arten im Naturpark. Daher werden diese vom Naturpark Karwendel seit vielen Jahren erhoben. Die Arbeit wird großteils von den Naturpark-Rangern durchgeführt.

Ergebnisse

Der Rißbach und die Obere Isar weisen international bedeutende Bestände der oben angeführten Heuschreckenarten auf. Die Populationen sind abseits von natürlichen Schwankungen derzeit erfreulicher Weise als stabil einzustufen.

Wissensdatenbank

Weitere wissenschaftliche Arbeit zu den Heuschrecken und unseren Wildflüssen finden sich in unserer umfassenden Wissensdatenbank.

Eine Person hält einen durchsichtigen Plastikbecher, in dem eine Heuschrecke gefangen ist, vor der Kulisse der Aue des Naturparks Karwendel mit einem felsigen Flussbett und Wald im Hintergrund.
Eine Nahaufnahme eines Kiesbank-Grashüpfers auf felsigem Grund, die den detaillierten Körper, die Beine und die Fühler zeigt.

Flussuferläufer

„Alter Bekannter“

Der Flussuferläufer steht bereits seit Jahrzehnten im Fokus der Naturschutzforschung. Der scheue Kiesbankbrüter findet sich im Frühling auf den Schotterbänken des Rißbachs ein, um dort im Idealfall zu brüten und dann mit den erfolgreichen Jungvögeln die Reise Richtung Süden anzutreten.

Bruterfolg und Besucherlenkung

Unsere Naturpark-Ranger erheben jedes Frühjahr die Brutplätze des Flussuferläufers und versuchen auch den Bruterfolg festzustellen. Die Ergebnisse sind bilden die direkte Grundlage für die Besucherlenkungsmaßnahmen für die jeweilige Saison. Die Ergebnisse der Erhebungen fanden auch Eingang in das epochale Werk „Die Brutvögel Tirols“.

Wissensdatenbank

Weitere wissenschaftliche Arbeiten zum Flussuferläufer und zu alpinen Wildflüssen finden sich in unserer Wissensdatenbank.

Flussuferläufer
Bildnachweis: Sebastian Pilloni, Naturpark Karwendel
Ein kleiner Vogel steht auf einem Felsen in einem flachen, felsigen Bach, der von Wasser umspült wird. Dies veranschaulicht den Lebensraum, der in der aktuellen Forschung über aquatische Ökosysteme häufig untersucht wird.
Vier Personen stehen an einem Fluss in einer bergigen Gegend; eine von ihnen hält mit einer Stativkamera Momente für die aktuelle Forschung fest, während eine andere in der Nähe des Wasserrandes steht. Im Hintergrund sind Bäume und Berggipfel zu sehen.

Uhu-Monitoring

Brutvogel im Naturpark

Der Uhu ist einer von 96 Brutvogelarten im Naturpark Karwendel. Er gehört zu den sog. prioritären Arten, welche im Fokus des Naturparks stehen. Daher versuchen die Naturpark-Ranger möglichst viele aktuelle Informationen über diese tolle Vogelart zu gewinnen.

Felsenbrüter

Der Uhu brütet bei uns in meist schwer zugänglichen Felsbereichen. Dies macht das Beobachten und Erheben entsprechend schwierig. Daher versuchen wir vor allem dort genau hinzusehen, wo es ggf. Probleme beispielsweise mit dem Klettersport geben könnte. Ein Brutplatz, der bereits seit Jahrzehnten sehr regelmäßig vom Uhu genutzt wird, wird im Winter und Frühling von den Naturpark-Rangern beobachtet. Nach der Brutsaison werden die Nahrungsreste im Horst entnommen und analysiert.

Wissensdatenbank

Weitere wissenschaftliche Arbeiten zu Vögeln und anderen prioritären Arten finden sich in unserer Wissensdatenbank.

Uhu
Bildnachweis: Engelhardt, Naturgucker
Es werden Uhus beobachtet
Ingrid Felipe und Hermann Sonntag beim Beobachten
Karte der Karwendelregion mit der Lebensraumeignung für den Uhu von 2010-2012, basierend auf der aktuellen Forschung, mit farblich gekennzeichneten Eignungszonen und Erhebungsorten.

Alpensegler-Monitoring

Toller, seltener Vogel

Der Lebensraum des Alpenseglers besteht aus ungestörten, hohen und kleinnischenreichen Felswänden in klimatisch günstigen Bereichen. Nur im Westen Österreichs findet er passende Habitate vor, wobei ein wichtiges davon unmittelbar am Rande des Naturparks Karwendel liegt.

Nur an einem Standort

Er brütet im NP Karwendel ausschließlich im Steinbruch Martinsbühel bei Zirl. Er nutzt den Luftraum innerhalb und außerhalb des Karwendels als Nahrungshabitat. Diese genaue Lokalisierung in Verbindung mit der Unverwechselbarkeit erleichtert natürlich das Monitoring dieser Art, die somit von jedem interessierten Laien durchgeführt werden könnte.

Monitoring noch im Aufbau

Bisher gibt es noch kein Monitoringprogramm für den Alpensegler. Es soll in den nächsten Jahren aufgebaut werden. (Stand: August 23)

Wissensdatenbank

Weitere wissenschaftliche Arbeiten über die Brutvögel des Karwendels finden sich in unserer umfassenden Wissensdatenbank.

inaturalist_nicossomponis
Karte der Karwendelregion mit Brutnachweisen von Vögeln aus den Jahren 2010-2012, einschließlich Alpensegler-Sichtungen, mit markierten Erfassungsrastern und Standorten möglicher, wahrscheinlicher und bestätigter Brutplätze.
Naturpark Karwendel