Wie veränderte sich eine artenreiche Bergwiese innerhalb der letzten 11 Jahre?
Eine vergleichende Fallstudie am Issanger, Naturpark
Karwendel, Nordtirol
Mit traditionell bewirtschafteten, artenreichen Wiesen, die in den letzten Jahrzehnten zunehmend selten geworden sind, bietet ein langfristiges Vegetationsmonitoring ein wertvolles Instrument, um Veränderungen in der Pflanzenvielfalt und -zusammensetzung zu verfolgen, die Auswirkungen von Landnutzung, Klimawandel und der Ausbreitung konkurrenzstarker Arten abzuleiten und letztlich den Schutz dieser Lebensräume zu unterstützen.
Im Jahr 2025 wurde die Artenzusammensetzung von 15 Dauerflächen in der artenreichen Bergwiese Issanger im Halltal, Naturpark Karwendel (Tirol, Österreich), mithilfe der Braun-Blanquet-Methode erfasst und mit Daten aus dem Jahr 2014 verglichen. In den dazwischenliegenden elf Jahren wurde ein zweijähriger Mahdregime umgesetzt und Veratrum album, das als Unkraut gilt, gezielt geschnitten. Die Arten wurden gemäß der Roten Liste Tirols klassifiziert und mit Zeigerwerten versehen. Zur Analyse von Veränderungen der Umweltbedingungen, des Gefährdungsstatus und der Diversität unter dieser Bewirtschaftung wurden kanonische Korrespondenzanalysen sowie lineare gemischte Modelle eingesetzt.
Trotz regionaler Erwärmung konnten keine größeren Verschiebungen der lokalen Umweltbedingungen festgestellt werden: Die Zeigerwerte für Licht, Bodenfeuchte, Temperatur und Stickstoff blieben weitgehend stabil. Dennoch zeigte die Artenzusammensetzung eine gerichtete Veränderung, die nicht strikt entlang der Gradienten dieser Umweltfaktoren verlief. Während der hohe Artenreichtum erhalten blieb, wurde ein signifikanter Anstieg des Shannon-Index beobachtet. Die meisten Arten waren laut Roter Liste in beiden Erhebungen nicht gefährdet, obwohl mehrere unter dem Tiroler Naturschutzgesetz geschützt sind. Veratrum album nahm in seiner Häufigkeit nicht zu.
Insgesamt blieb die Vegetation weitgehend stabil. Die vom Naturpark Karwendel durchgeführte Bewirtschaftung – zweijährliche Mahd und selektives Schneiden von Veratrum album – verhinderte effektiv eine weitere Verbuschung und erhielt das offene Grünland. Die Fortführung dieser Bewirtschaftung wird empfohlen, und die vollständige Entfernung des derzeit seitlich abgelagerten Mähguts wäre wahrscheinlich vorteilhaft. Angesichts des beobachteten Trends zu sinkenden Lichtzeigerwerten könnte die Einführung eines jährlichen Mahdregimes sinnvoll sein. Ein langfristiges Monitoring bleibt unerlässlich, um die kombinierten Effekte zunehmender atmosphärischer Stickstoffdeposition, des Klimawandels und der Populationsdynamik von Veratrum album zu entflechten.
Details
Autor: Bertel et al.
Titel: Wie veränderte sich eine artenreiche Bergwiese innerhalb der letzten 11 Jahre?
Themenschwerpunkt: Artenvielfalt, Langzeit-Monitoring, Vegetationsanalyse, Bergwiese
Geografischer Schwerpunkt: Issanger, Halltal
Datum: 2026
Zeitschrift: inatura
Art der Arbeit: Bericht, Publikation
Umfang: 15 Seiten

