Gefleckte Schnarrschrecke

Die Gefleckte Schnarrschrecke

Bryodemella tuberculata | Familie: Feldheuschrecken (Acrididae)

Die vergleichsweise große Feldheuschrecke ist gut an ihren Lebensraum – die Schotterbänken alpiner Wildflüsse – angepasst. Wird sie aufgeschreckt, so gibt sie beim Flug ein schnarrendes Geräusch von sich.

  • Ordnung: Heuschrecken
  • Größe: w: 29-39 mm, m: 26-31 mm
  • Aussehen: Dunkle Grundfarbe, Vorderflügel zwei deutlich helle Flecken
  • Lebensraum: Kies- und Schotterbänke von Wildflüssen
  • Gefährdung: Stark gefährdet
  • Besonderheit: Die Heuschrecke hat das größte Genom eines Insekts, was zugleich siebenmal größer als das menschliche Genom ist
Warum ist die gefleckte Schnarrschrecke besonders schützenswert?
  • Schutz: Durch Tiroler Naturschutzverordnung,  Ergänzung in Erhaltungszielen des Natura2000 Gebietes Karwendel ist angestrebt (5 Punkte)
  • Gefährdung: Stark gefährdet (Rote Liste Österreich und Tirol) (3 Punkte)
  • Regionale Relevanz: Tiroler Vorkommen neben dem Bestand in bayerischen Alpen die einzig gegenwärtig bestehenden in Mitteleuropa. Tirol hat daher hohe nationale Verantwortlichkeit für den Erhalt dieser Art (4 Punkte)
  • Leitbildkonformität: Zeigerart dynamischer Alpenflüsse, welche im Leitbild des Naturpark Karwendel mit höchster Priorität eingestuft sind (5 Punkte)
  • Habitatverfügbarkeit: Wildflüsse gelten als europaweit sehr gefährdet, im Karwendel ist jedoch derzeit von einer stabilen Situation für die nächsten Jahre auszugehen (3 Punkte)
  • Synergie: Artenschutzmaßnahmen würden auch positive Effekte für 11-15 Arten der Auswahlliste u.a. für die Deutsche Tamariske, den Kiesbank-Grashüpfer, Türks Dornschrecke, die Koppe und den Flussuferläufer mit sich ziehen (3 Punkte)
  • Wirkung Öffentlichkeit: Punktebewertung resultiert aus Befragung (3 Punkte)
  • Datengrundlage: mehrere spezifische Arbeiten und regelmäßige standardisierte Zählungen durch unsere Naturpark Ranger (5 Punkte)
  • Aufwand: Kleinere wasserbauliche Maßnahmen wurden generell mit einem mittleren Aufwand bewertet (3 Punkte)
Die Radarkarte mit acht Achsen - Schutz, Gefährdung, Relevanz, Leitbild, Habitat, Synergie, Öffentlichkeit und Daten - zeigt die Bewertung der gefleckten Schnarrschrecke. Die grünen Linien verbinden die unterschiedlichen Werte.

Der Tiroler Bestand der Gefleckten Schnarrschrecke gliedert sich in ein Vorkommen im Naturpark Tiroler Lech sowie in ein Vorkommen im Naturpark Karwendel. Im Naturpark Karwendel ist die Heuschrecke an Abschnitten des Rißbachs und der oberen Isar nachgewiesen. Bevorzugter Lebensraum sind grobsteinige bis kiesige, von sandigen Substraten durchsetzte Alluvionen der Alpenflüsse und Bäche. Bevorzugt werden Schotterbänke, die bereits junge Pionierweiden aufweisen. Dies gilt vor allem für Weibchen, welche neugebildete und somit völlig vegetationslose Lebensräume meiden.

Eine topografische Karte mit grün schattierten Flächen und roten Punkten, die Sichtungen der gefleckten Schnarrschrecke darstellen, die sich vor allem im Nordwesten und in der Mitte des Landes häufen. Unten rechts erscheint ein Pfeil, der nach Norden zeigt.
Nachweise von B. tuberculata (rot) in Tirol ab 2000. Kartengrundlage: Tiroler Schutzgebiete
(grün), Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Umweltschutz, tirisMaps; Datenquelle: TLMF
  • Der Schutz des alpinen Wildflussystems Isar ist absolut prioritär.
  • Bei kleineren Renaturierungen am Rißbach und der Isar ist auf die Habitatpräferenzen der Gefleckten Schnarrschrecke Rücksicht zu nehmen.
  • Etablierung eines grenzüberschreitenden Monitorings für die gesamte Obere Isar

24 Besonderheiten im Karwendel

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Naturpark Karwendel